Verlag OntoPrax Berlin

Der Kampf um die Ukraine

Gestern und heute

Übersicht

1, Realitätsverklärung
2. Die aktuelle militärische Lage

Anmerkungen

Wer verklärt, verdummt.

1. Realitätsverklärung

Aus der Ukraine nach einer Teilnahme am „Kiewer Sicherheitsforum“ (Kyiv Security Forum) nach Hause zurückgekehrt, erstattete David Ignatius (Kolumnist der Washington Post) am 28. April 2026 einen Reisebericht. Unter der Überschrift „Ukraine took Russia’s best punch. It wants to teach Europe what it learned“ (Die Ukraine steckte Russlands härtesten Schlag ein. Jetzt will sie Europa lehren, was sie gelernt hat) berichtet Ignatius euphorisch über seine Eindrücke und Erlebnisse.

„So seltsam es klingen mag, es ist in diesen Tagen ermutigend, die Ukraine zu besuchen. Hier siegen die Guten … Und sie überleben dank eines standhaften Europas und nicht dank der sich zurückziehenden Vereinigten Staaten“, schreibt der den US-Demokraten nahestehende Berichterstatter in The Washinton Post.

„Wir sollten Ehrfurcht, Bewunderung und Dankbarkeit für das empfinden, was die Ukraine leistet“, zitiert Ignatius die Äußerung eines der Teilnehmer des Kiewer Sicherheitsforums, Admiral Sir Tony Radakin (ehem. Chief of the Defence Staff der Streitkräfte des Vereinigten Königreichs).

„Hier war die Wut auf Präsident Donald Trump spürbar“, der nach Meinung der Europäer der Nato in dem Moment den Rücken kehre, in dem Europa die US-Hilfe am dringendsten benötige. Und ein prominenter französischer Verteidigungsexperte, Nicolas Tenzer, verleitete sich gar zu der Äußerung, dass „die USA kein Verbündeter mehr sind“ (The United States is not an ally anymore). Das sei zwar eine extreme Ansicht, sie spiegele aber die weitverbreitete Bestürzung darüber wider, dass Trump das Vertrauen gebrochen habe, das das transatlantische Bündnis getragen habe, erklärt Ignatius.

Diese wenigen zitierten Sätze des Berichts sind aufschlussreich, zeigen sie doch nicht nur ein kaum mehr zu verbergendes Zerwürfnis zwischen Trumps Amerika und seinen europäischen Nato-Verbündeten, sondern auch eine emotionale, geradezu zwanghaft anmutende Verbundenheit des politischen und militärischen EU-Führungspersonals mit der Ukraine.

Diese Obsession irritiert, auch wenn sie nicht überrascht. Wie kommt man dazu, Trump beinahe einen Verrat am Nato im Ukrainekonflikt vorzuwerfen, wo doch die Ukraine nicht einmal ein Nato-Mitglied ist? Seit Menschengedenken war die Ukraine nie Teil des sog. „Westens“ bzw. der transatlantischen „Wertegemeinschaft“ und ist seit 1000 Jahren ein integrierter Bestandteil des ostslawischen Raumes.

Hätte jemand zurzeit des „Kalten Krieges“ gesagt: die Ukraine sei ein untrennbarer Teil Europas und/oder Europas Sicherheit entscheide sich in der Ukraine, hätte man ihn für verrückt erklärt. Seit Jahrhunderten lebten Russen und Ukrainer bis zum Staatsstreich 2014 friedlich miteinander.

Der westliche Versuch, einen Keil zwischen den beiden ostslawischen Völker zu treiben, war bis dahin immer zum Scheitern verurteilt. Der Kampf um die Ukraine hat freilich eine lange Geschichte. Man denkt nur an die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Bereits kurz nach dem Abrücken der deutschen Wehrmacht und dem Kriegsende fand unter der tatkräftigen Unterstützung der 1947 gegründeten CIA in den westlichen Provinzen der Ukraine bis in die 1950er-Jahre hinein ein blutig geführter Kampf zwischen den ukrainischen Nationalisten und den Überresten zahlreicher Nazi-Kollaborateure einerseits und der Sowjetmacht andererseits statt.

Bis heute verklärt man dieses singuläre Ereignis als einen ethnischen Konflikt zwischen Russen und Ukrainern, wie es Frank Costigliola zuletzt in seiner Studie „Kennan’s Warning on Ukraine“ 2023 für Foreign Affairs getan hat.

Entgegen Costigliolas Beteuerungen1 gab es in der Ukraine erstens keine „russische Herrschaft“, sondern die Sowjetmacht, an der die Ukrainer und Russen gleichermaßen beteiligt waren. Zweitens gab es die Ukraine als eine ethnisch homogene politische Einheit zu keiner Zeit ihrer Geschichte. Und selbst nach der Gründung der Ukraine als eines völkerrechtlich anerkannten souveränen Staates im Jahr 1991 ist sie ein Vielvölkerstaat geblieben.

Erst seit dem Staatsstreich 2014 ist eine zunehmende Tendenz zur Herausbildung einer ethnisch homogenen Monokultur bei gleichzeitiger Verdrängung anderer kulturellen Identitäten festzustellen. Und drittens kann man eine scharfe Trennung zwischen Russen und Ukrainern nicht ohne weiteres ziehen. Die beiden Ethnien sind Ostslawen und orthodoxe Christen, haben eine jahrhundertelange gemeinsame Geschichte und eine gemeinsame kulturelle, sozioökonomische und verfassungspolitische Tradition.

Folgt man George F. Kennans Auffassung, so sind Russen und Ukrainer aus seiner Sicht „siamesische Zwillinge“2. Verwunderlich ist darum nicht, dass die EU-Europäer, wie Ignatius berichtet, „Wut“ auf Trump haben, weil er bei der Unterstützung der Ukraine der Nato in den Rücken fällt. Verwunderlich ist vielmehr die Auffassung der EU-Machteliten, dass sich Europas Sicherheit in der Ukraine entscheide.

Das ist, gelinde gesagt, eine Volksverdummung! Hinter diesem Slogan verbirgt sich nichts anderes als ein jahrhundertealtes Herrschaftsprinzip: „Divide et impera“, das Gegner spaltet bzw. gegeneinander in Stellung bringt, um sie leichter beherrschen zu können.

Im Ukrainekrieg werden die „siamesischen Zwillinge“ – die Ostslawen, die sich „Ukrainer“ nennen, und die Ostslawen, die sich „Russen“ nennen, gegeneinander ausgespielt. Dem „Westen“ ist es 2014 mittels eines Staatsstreichs gelungen, zwei Marionettenregierungen von Poroschenko und Selenskyj mit dem Ziel zu installieren, ein Anti-Russlandprojekt auf die Beine zu stellen und es gegen Moskau in Stellung zu bringen.

In diesem historischen Moment hat Russland zweifelsohne versagt. Bereits 2018 habe ich darauf hingewiesen, dass der Staatsstreich eine „bittere geostrategische Niederlage Russlands“ war. Und „keiner weiß heute, welches >geopolitische Risiko< sich noch dahinter verbirgt“3.

Heute wissen wir es! Der Kriegsausbruch in der Ukraine 2022 hat gezeigt, dass das Anti-Russlandprojekt für den „Westen“ ein voller Erfolg war. Davon träumte man im Deutschen Kaiserreich und in der Habsburgermonarchie bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die „ukrainische“ Bevölkerung (vor allem in Ostgalizien) war zu jener Zeit ein Zankapfel zwischen Russland und Europa, weil in ihr schon immer ethnisch gefärbte Narrative, nationale Identitäten und Bewegungen unterschiedlicher Art vorherrschten, die sich oft feindselig gegenüberstanden.

„Bis zum Ersten Weltkrieg konkurrierten eine ukrainophile, eine russophile, eine polonophile und eine auf das Habsburgerreich begrenzte ruthenische Richtung um dieselbe Bevölkerung.“4 Diese kulturelle Identitätsvielfalt führte zu ethnischen und sozialen Ab- und Ausgrenzungen, die sich letztlich mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Hass entluden.

Es ging so weit, dass die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie zu Beginn des Ersten Weltkriegs zwei Konzentrationslager (Thalerhof (in der Nähe von Graz)5 und Terezín (Theresienstadt in Nordböhmen) zur Internierung ruthenischer Bevölkerung (galizische Ruthenen, Bukowiner, Lemken) errichtete, die im Verdacht standen, mit dem Russischen Reich zu sympathisieren.

Diese Lager zählen zu den ersten Konzentrationslagern im Europa des 20. Jahrhunderts, die für Zivilisten aufgrund ihrer ethnischen und politischen Zugehörigkeit errichtet wurden und in denen die österreichisch-ungarischen Behörden während des Ersten Weltkriegs Gräueltaten gegen die orthodoxe Bevölkerung Galiziens, der Bukowina und der Karpatenukraine verübten.

Vor diesem Hintergrund muss man auch eine inmitten des Ersten Weltkrieges 1917 erschienene Schrift „Die russische Gefahr im deutschen Hause“ verstehen, die von einem Baltendeutschen, Prof. Johannes Haller (1865-1947) von der Universität Tübingen, stammt6.

In seiner Auseinandersetzung mit dem 1913 erschienenen Werk „Russland – Eine Einführung auf Grund seiner Geschichte von 1904-1913“ vom Osteuropahistoriker Otto Hoetzsch empört sich Haller darüber, dass Hoetzsch die Ukrainer „Kleinrussen“ nennt und meint anschließend: Dies sei ja „keine philologische Kleinigkeit“, sondern ein Politikum. „Bekanntlich behaupten die Russen, die Ukrainer seien nur eine Spielart des russischen Volkes und ihre Sprache nur eine russische Mundart; während die Führer der Ukrainer von jeher den Anspruch erhoben, ihr Volk als eigene Nation, ihre Sprache als selbständige Kultur- und Nationalsprache anerkannt zu sehen. Die Antworten der philologischen Fachleute auf diese Streitfrage lauten verschieden“ (S. 13 f.).

Dazu muss man wissen, dass die Bezeichnung der „Ukrainer“ als „Kleinrussen“ zu jener Zeit eine gängige Bezeichnung war. Denn der Begriff „Ukraine“ ist zweideutig. Er kann sowohl als geografische Bezeichnung als auch ethnisch (zumindest aus heutiger Sicht) verstanden und begriffen werden.

Das Wort „Ukraine“ stammt vom russischen Wort „окраина“ (okraina, deutsch: Randgebiet) und meint ein Gebiet, das sich am Rande des Russischen Reiches befindet. Damit wurde ein bestimmter Bevölkerungsteil geographisch und nicht ethnisch verortet.

Mit seiner Kritik versucht Haller genau umgekehrt eine geographische Bezeichnung ethnisch zu kategorisieren, indem er natürlich das politische Ziel verfolgt, die am Randgebiet des Russischen Reiches lebende Bevölkerung als eine von Russen unterschiedliche Ethnie zu qualifizieren und als eine von Russen kulturell und politisch unabhängige Entität zu betrachten.

Dieser politisch motivierten und der Kriegspropaganda geschuldeten Distinktion folgend, kritisiert er Hoetzschs Bezeichnung der Ukraine als „Kleinrussen“ und meint anschließend ziemlich durchschaubar: „Es kommt aber hier gar nicht auf den Entscheid philologischer Autoritäten, überhaupt nicht auf die Philologie an … Politische Fragen werden nicht nach der Grammatik entschieden, sondern durch den Willen und die Tat“ (S. 14).

Politische Fragen werden in der Tat „nicht nach der Grammatik“, sondern nach dem Willen zur Macht, aber auch nach der Geographie entschieden. Denn „Geographie ist Schicksal“, dem wir uns auch politisch nicht entziehen können7.

Wie dem auch sei, man muss Haller seine Weitsicht lassen, als er anschließend geradezu prophetisch anmerkt: „Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Gefahr unmittelbarer Losreißung in der Ukraine weniger groß ist als anderswo. Aber trotzdem ist im Hinblick auf die Zukunft die ukrainische Frage schon jetzt das große Zentralproblem der russischen Geschichte und wird es künftig erst recht sein“ (S. 15).

Der Kampf um die Ukraine fing nicht – wie man sieht – erst mit der sog. „Ukraine-Krise“ 2014 an. Er ist bereits weit mehr als 100 Jahre alt. Vor diesem Hintergrund ist die von Ignatius berichtete „Wut auf Präsident Donald Trump“ seitens der Europäer zwar theatral, aber historisch nachvollziehbar.

2. Die aktuelle militärische Lage

Nun berichtet Ignatius über einen unbändigen Optimismus, der auf dem „Kyiv Security Forum“ vorherrschte. „Die tiefen Sorgen, die ich bei früheren Besuchen während des Krieges hier vernommen habe, haben sich gelegt“, referiert er seine Eindrücke und zitiert dabei Kyrylo Budanow (ehem. Chef des Militärgeheimdienstes und zurzeit Leiter des Präsidialamtes), der in Russland als „Terrorist“ gilt und zur Fahndung ausgeschrieben wurde: „Wir verlieren definitiv nicht“.

Mit Genugtuung berichtet Ignatius sodann darüber, dass selbst „die anwesenden europäischen Verteidigungsminister die Einschätzung zu teilen scheinen, dass, wie einer es formulierte, >die Ukrainer Russland trotz ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit überholt haben<“, wobei unklar bleibt, was darunter zu verstehen ist.

Worauf sich dieser Optimismus gründet, wird nicht berichtet. Die Realität an der Front gibt freilich wenig Hoffnung für den ukrainischen Optimismus. Vieles spricht eher für eine ukrainische Kriegspropaganda, die dazu dienen sollte, westliche Geldgeber und Waffenlieferanten anzulocken und darin zu überzeugen, dass es sich lohnt, die Ukraine weiterhin finanziell und militärisch zu unterstützen, da sie immer noch erfolgreich dabei sei, Europa gegen eine vermeintliche russische Bedrohung zu verteidigen. Die vier Kriegsjahre scheinen auf den ersten Blick diese ukrainische Deutung des aktuellen Kriegsgeschehens zu bestätigen.

Selbst der Anführer des Kiewer Regimes bestätigt diese Vermutung. „Die Ukraine ist wie noch nie seit den vergangenen neun bis zehn Monaten auf dem Schlachtfeld bestens positioniert … Wir gewinnen“, bluffte Selenskyj am 29. April 2026 in einem Interview. Doch der Schein trügt!

Solche und ähnliche Sprüche werden dessen ungeachtet von der europäischen Kriegspartei dankbar aufgegriffen und propagandistisch ausgeschlachtet. So beteuerte der deutsche Außenminister, Johann Wadephul, in einem Ntv-Interview am 30. April 2026: Die Ukraine wehre sich erfolgreich gegen die russische „Aggression“, wohingegen Russland schwere Verluste erleide. Wörtlich sprach Wadephul von Verlusten in Höhe von „1000 Soldaten pro Tag“.

Dass sich der deutsche Spitzenpolitiker kritiklos die ukrainische Kriegspropaganda zu eigen macht, spricht für sich. Schlimm ist nur, dass Wadephul nicht nur daran glaubt, sondern die Bundesregierung danach auch ihre forsche, furchtlose und selbstüberschätzende Russlandpolitik richtet, ohne sich über die Folgen ihres Über- und Hochmuts bewusst zu sein.

Zum wiederholten Mal zeigt sich eine Fehlbesetzung an der Spitze des Außenministeriums. Mit Annalena Baerbock glaubte man bereits den Tiefpunkt der deutschen Außenpolitik erreicht zu haben. So kann man sich irren. Im Gegensatz zum stets stumpfsinnig, farb- und ideenlos auftretenden Wadephul sah die grüne Außenministerin mit ihrer sog. „feministischen Außenpolitik“ wenigstens jung, unbekümmert, amüsant und zu alledem entwaffnend naiv aus. Immerhin!

Aber zurück zu der von Wadephul erwähnten Zahl: Allein an einem Beispiel zeigt sich, wie abwegig Wadephuls Behauptung ist: Wie Putins außenpolitischer Berater, Jurij Uschakow, am 29. April 2026 berichtete, fand bis jetzt zwischen der Ukraine und Russland ein Leichenaustausch im Verhältnis von 20.000 zu 500 bzw. 1 zu 40 statt. Allein daran zeigt sich, dass Wadephul entweder falsch informiert wird oder die deutsche Öffentlichkeit wider besseres Wissen in die Irre führt.

Mehr noch: Wie der russische Generalstabschef, Valery Gerasimov, am 21. April 2026 erklärte, haben die russischen Streitkräfte im Jahr 2026 ca. 1.700 Quadratkilometer ukrainischen Territoriums erobert und die ukrainischen Truppen in Donbas weiter zurückgedrängt. Russen rücken in Richtung Slavjansk, Kramatorsk und Konstantinowka vor.

„Seit Beginn dieses Jahres sind mehr als 80 Siedlungen und über 1.700 Quadratkilometer Gebiet unter unsere Kontrolle gekommen“, berichtete Gerasimow. Russland kontrolliert nach Moskaus Angaben etwa 90 % des Donbass, rund 75 % der Regionen Saporischschja und Cherson sowie Teile der Regionen Charkow, Sumy, Mykolajiw und Dnipropetrowsk.

Gerasimow wies zudem auf die vollständige Befreiung der Volksrepublik Luhansk hin. Russische Einheiten setzen derzeit ihre Offensive in Richtung Slowjansk und Kramatorsk fort; die vordersten Einheiten befinden sich nur noch 13 Kilometer von den Stadträndern dieser Festungsstädte entfernt.

„Unsere Armee rückt auf Slowjansk vor. Der Tag ist nicht mehr fern, an dem wir sowohl Slowjansk als auch Kramatorsk befreien werden – das gesamte Gebiet gehört zum Donezker Territorium. Dank Ihres mutigen und entschlossenen Handelns leisten Sie einen bedeutenden Beitrag zur Befreiung des Donbass“, erklärte Gerassimow.

Die Streitkräftegruppe „Süd“ führt Offensivoperationen im stark befestigten Gebiet Slawjansk-Kramatorsk-Konstantinowka durch. Im März wurden laut Gerasimow sechs Siedlungen in diesem Gebiet zurückerobert und Dibrowo wurde im April befreit.

In Konstantinowka besiegen Angriffsverbände ukrainische Formationen und rücken tiefer in Wohngebiete im Nordosten und Südwesten der Stadt vor. Auch in den Vororten Konstantinowka, Nowodmitrowka und Iljinowka dauern die Kämpfe an.

An der Nordflanke rücken Einheiten der 3. Armee aktiv auf breiter Front nach Westen vor. In Kriwaja Luka finden derzeit heftige Straßenkämpfe statt.

Die Streitkräftegruppe „Nord“ rückt gleichzeitig an mehreren Fronten vor und errichtet weiterhin eine Sicherheitszone in den Regionen Sumy und Charkow. Im März wurden 15 Siedlungen eingenommen, und im April wurden Wowtschanskije Chutora und Sibino befreit.

Die Streitkräftegruppe „West“ rückt auf breiter Front vor. Acht Siedlungen wurden im März befreit.

Die heftigsten Kämpfe finden in Richtung Krasnolimansk statt, wo Angriffsverbände weiterhin die gleichnamige Stadt befreien. Etwa 70 Prozent des Stadtgebiets ist unter Kontrolle.

Gerasimov berichtete außerdem, dass die russischen Streitkräfte die ukrainischen Truppen am Ostufer des Flusses Oskol südlich von Kupjansk-Uslowaja ausgeschaltet haben. Derzeit finden Straßenkämpfe zur Zerschlagung ukrainischer Formationen in Borowaja, Swjatogorsk, Studenka und Stari Karawan statt.

Im Verantwortungsbereich der Streitkräftegruppe „Zentrum“ haben Einheiten und Militärverbände ihre Kontrollzone erweitert und rücken in Richtung Dobropillia vor. Grishino und Pavlovka wurden befreit, und die Säuberung des Dorfes Nowy Donbas von feindlichen Kräften wird abgeschlossen. Die Kämpfe um Belitskoje dauern an.

Die Streitkräftegruppe „Ost“ rückt im Osten der Region Saporischschja nach Westen vor. Einheiten des ukrainischen Militärs versuchten zwar im Februar und März, die Offensive zu stoppen, indem sie über 170 erfolglose Gegenangriffe durchführten. Sie erlitten aber dabei erhebliche Verluste von über 3.000 Soldaten und 160 Fahrzeugen, ohne ihre Ziele erreicht zu haben, berichtet Gerasimow.

Um das Scheitern zu vertuschen, führt das ukrainische Oberkommando eine Informationskampagne durch und behauptet, 480 Quadratkilometer Territorium zurückerobert zu haben. Tatsächlich wehrten russische Einheiten erfolgreich Gegenangriffe der Kiewer Streitkräfte bei Velyka Mychailiwka und Pokrowskoje ab und sämtliche Gebiete blieben in russischer Hand. Darüber hinaus bauten die russischen Streitkräfte ihre Sicherheits- und Kontrollzone weiter aus.

Alles in allem sieht es für die Ukraine entgegen Selenskyjs Beteuerungen düster und nicht „bestens“ aus. Selenskyj ist ein Blender, Schwindler und Täuscher, dem man nicht über den Weg trauen kann. Die Trump-Administration hat das im Gegensatz zu der EU-Kriegspartei längst verstanden.

Dass Europa diesen sinn- und aussichtslosen Kampf gegen Russland weiter tatkräftig unterstützen will, ist dem Umstand zu verdanken, dass die Ewiggestrigen im Ost- und Westeuropa ideologisch und mental immer noch im 20. Jahrhundert steckengeblieben sind und ihren eigenen „Kalten Krieg“ fortführen und von Revanche träumen.

Diesen Revanchisten sei gesagt: Sie sind nicht nur auf dem Holzweg, sondern spielen auch ein gefährliches Spiel, das ihr letztes sein kann. Sie wollen immer noch nicht wahrhaben, dass das Russland des 21. Jahrhunderts keine Sowjetunion des 20. Jahrhunderts ist.

Sie merken nicht, dass sie nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind. Und solange sie nicht auf dem Müllhaufen der Geschichte landen, wird es keinen Frieden in Europa geben.

Anmerkungen

1. Näheres dazu Silnizki, M., George F. Kennan und die US-Russlandpolitik der 1990er-Jahre. Stellungnahme
zu Costigliolas „Kennan’s Warning on Ukraine“. 7. Februar 2023, www.ontopraxiologie.de“.
2. Siehe Silnizki (wie Anm. 1).
3. Silnizki, M., Außenpolitisches Denken in Russland. Im Strudel von Geopolitik und Identitätsdiskurs. Berlin
2018, 98.
4. Mick, Christoph, Die „Ukrainermacher“ und ihre Konkurrenten. Strategien der nationalen Vereinnahmung
des Landes in Ostgalizien, in: Comparativ 15 (2005), H. 2, 60-76 (60 f.).
5. Georg Hoffmann, Nicole-Melanie Goll, Philipp Lesiak: Thalerhof 1914–1936. Die Geschichte eines
vergessenen Lagers und seiner Opfer. In der Reihe: Mitteleuropäische Studien. Schriftenreihe der Fakultät für
Mitteleuropäische Studien der Andrássy Gyula Deutschsprachigen Universität Budapest.
6. Haller, J., Die russische Gefahr im deutschen Hause, in: Rohrbach, P. (Hrsg.), Die russische Gefahr. Beiträge
und Urkunden zur Zeitgeschichte. Stuttgart 1917.
7. Silnizki, M., Geographie als Schicksal. Gefangen zwischen Weltunordnung und Postunipolarität.
21. April 2026, www.ontopraxiologie.de.

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