Verlag OntoPrax Berlin

Mission Impossible

„Begrenzte Kriege“ und Diplomatie ohne Diplomaten

Übersicht

1. „Zwischen Kapitulation und Suizid“
2. Sandkastenspiel statt Diplomatie

Anmerkungen

„… Lasst uns die Warnungen erneuern,
und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind!“
(Bertolt Brecht, Das Gedächtnis der Menschheit, 1952)

„…in which even the fruits of victory would turn to ashes in our mouth.“
(…in dem selbst die Früchte des Sieges nur Asche in unserem Mund wären.)
(John F. Kennedy, Fernsehansprache zur Kubakrise, 22.10.1962)

1. „Zwischen Kapitulation und Suizid“

In seiner programmatischen Rede über die künftige US-Militärstrategie sprach Elbridge Colby (Under Secretary of War) am 19. Mai 2026 am National War College mit Verweis auf Henry Kissinger von der „Aufgabe“ des Kriegsministeriums, „eine rationale Militärstrategie zu finden, die irgendwo zwischen Kapitulation und Selbstmord liegt“1.

Dieses Dilemma formulierte Kissinger in seinem 1957 veröffentlichten militärstrategischen Werk „Nuclear Weapons and Foreign Policy“ (Kernwaffen und Außenpolitik). Darin beschreibt er das strategische Paradoxon des Nuklearzeitalters, das die US-Verteidigungspolitik in eine Zwangslage bringt, wenn sie ausschließlich auf die Abschreckung durch totale Vernichtung setzt. Denn sie muss sich dann entweder für einen Atomkrieg entscheiden, der die Selbstvernichtung bzw. „Suizid“ (suicide) impliziert, oder auf einen Atomkrieg verzichten, was automatisch zur Kapitulation führt.

Das von Kissinger formulierte Dilemma war eine unverhohlene Kritik an Eisenhowers Doktrin der „Massiven Vergeltung“ (Massive Retaliation). Diese besagte, dass jeder, selbst konventionelle sowjetische Angriff mit einem massiven nuklearen Gegenschlag beantwortet würde, was auf Kissingers entschiedenen Widerspruch stieß.

In seinem eben erwähnten Werk kritisierte er, dass Eisenhowers Doktrin unglaubwürdig sei: Kein US-Präsident würde wegen eines lokalen Konflikts die Auslöschung amerikanischer Städte riskieren. Um dem Dilemma „Kapitulation oder Suizid“ zu entkommen, plädierte Kissinger deswegen vehement für die Entwicklung von Konzepten der sog. „begrenzten Kriege (Limited Wars). Seine Überlegungen zielten darauf ab, taktische Nuklearwaffen einzusetzen, um politische Ziele durchzusetzen, ohne gleich die Existenz der gesamten Menschheit aufs Spiel setzen zu müssen.

Selbst wenn man auf Distanz zu diesen fragwürdigen Überlegungen geht, einen Atomkrieg eingrenzen zu können, blieb die Frage während des „Kalten Krieges“ legitim: Wie bewahrt man die eigene Handlungsfähigkeit im Atomzeitalter, ohne in die Selbstvernichtung (Suizid) oder die politische Selbstaufgabe (Kapitulation) abzudriften?

Noch zwanzig Jahre nach dem Erscheinen des Werkes „Nuclear Weapons and Foreign Policy“ wurde das Dilemma in einer zentralen sicherheitspolitischen Debatte des Deutschen Bundestages aufgegriffen und heftig polemisiert. In der 39. Sitzung der achten Wahlperiode wurde am 8. September 1977 die Sicherheitslage der Bundesrepublik Deutschland sowie die Nato-Strategie vor dem Hintergrund der Diskussion über die Neutronenwaffe und Mittelstreckenraketen kontrovers diskutiert.

Kissingers Formulierung wurde von Manfred Wörner, dem Verteidigungsexperten der Union und späteren Nato-Generalsekretär, verwendet. Wörner nutzte Kissingers Worte, um die Notwendigkeit einer glaubwürdigen Abschreckung gegenüber der Sowjetunion zu untermauern. Er kritisierte alternative Verteidigungskonzepte (wie die sog. „Raumverteidigung“ von Horst Afheldt und Carl Friedrich von Weizsäcker) als „baren Unfug“, da diese nach seiner Ansicht nur die Wahl zwischen Kapitulation oder Selbstmord ließen.

Das Jahr 1977 markiert den Beginn der Debatte über den sog. Nato-Doppelbeschluss. Die Sowjetunion hat mit der Stationierung von SS-20-Mittelstreckenraketen begonnen, was aus Sicht der Nato-Strategen eine „Lücke“ in der Abschreckung schuf, die eine angemessene militärische Antwort erforderte. Wörner argumentierte dabei, dass ohne eine entsprechende atomare und konventionelle Modernisierung der Nato die politische Handlungsfähigkeit des Westens verloren ginge, da dieser im Krisenfall keine abgestufte Reaktion („flexible response“) mehr hätte, sondern eben nur noch die Wahl zwischen Kapitulation und Suizid.

In verschiedenen Sitzungen der späten 1970er- und frühen 1980er-Jahre wurde das Konzept der „Flexible Response“ (abgestufte Reaktion) debattiert. Kissingers Formulierung diente hier oft als rhetorischer Anker, um zu begründen, warum die Nato auch konventionell und mit taktischen Nuklearwaffen so stark sein müsse, dass sie nicht sofort vor der Wahl stünde, entweder nichts zu tun oder den globalen Atomkrieg auszulösen.

In den USA verlief die Debatte um das Dilemma zwischen „Kapitulation oder Selbstmord“ als Wahl zwischen Surrender or Holocaust. Den Ausdruck „nuclear holocaust“ verwendete auch Elbridge Colby in seiner programmatischen Rede, die ein neues Konzept der US-Militärstrategie in der Ära Trumps vorstellte.

Colby geht davon aus, dass die Großmächte im nuklearen Zeitalter nur begrenzte Möglichkeiten besitzen, mit militärischer Gewalt etwas zu erreichen. „Denn selbst eine besiegte Atommacht besitzt noch die Fähigkeit, dem vermeintlichen Sieger verheerende Schäden zuzufügen“, begründet er seinen Standpunkt und zur Bestätigung seiner Grundposition zitierte er die berühmte Formulierung von Kennedy: Der Atomkrieg würde „dem Sieger nur Asche im Mund hinterlassen“. „As President Kennedy memorably warned, such a war would leave ashes in the mouth of the victor.“

Kennedy verwendete diese Formulierung während der Kubakrise in einer Fernsehansprache am 22. Oktober 1962. Er warnte vor einem weltweiten Atomkonflikt und erklärte, die USA würden sich nicht vor Risiken scheuen, fügte aber hinzu, sie würden keinen unnötigen Krieg riskieren, in dem „selbst die Früchte des Sieges Asche in unserem Mund wären.“

Kennedys Argumentation folgend, meint Colby: „Es soll kein Missverständnis geben: Atomwaffen beseitigen weder den Krieg noch die Notwendigkeit, ihn zu führen. Sie machen jedoch einen unbegrenzten Krieg zwischen Großmächten außerordentlich gefährlich und beinahe per se irrational. Nur sehr wenige denkbare Interessen rechtfertigen die Kosten eines nuklearen Holocausts (nuclear holocaust).“

Unter Kennedy und seinem Verteidigungsminister Robert McNamara wurde die Strategie der Flexible Response eingeführt und das war genau die „rationale militärische Strategie“, die Kissinger forderte. Nun spricht Colby heute, wie gesehen, mit Verweis auf Kissinger auch von einer „plausiblen und glaubwürdigen Strategie für die Kriegsführung, falls die Abschreckung scheitern sollte“.

Folglich lautet nach Colby die zentrale Frage der Militärstrategie, nicht mehr, wie man eine atomar bewaffnete Großmacht vernichten oder unterwerfen kann, sondern vielmehr, wie man die praktischen politischen Ziele der USA erreichen und gleichzeitig Kosten und Risiken in einem akzeptablen Rahmen halten kann. Dies ist die Herausforderung der Vorbereitung auf einen begrenzten Krieg im Schatten von Atomwaffen.

Es geht nämlich um Eskalationsmanagement und „die entscheidende Frage“ ist dabei, so Colby, ob der begrenzte Krieg und „die damit einhergehende Eskalationsdynamik die eigene politische Position im Verlauf eines Konflikts verbessern oder verschlechtern“ kann.

Und genau dieser letzte Satz verrät die ganze konzeptionelle Untragbarkeit von Colbys Militärstrategie des „begrenzten Krieges“. Denn „die entscheidende Frage“ besteht weder in der Ökonomisierung des Eskalationsmanagements noch in der Abwägung von Nachteilen oder Vorteilen einer „Eskalationsdynamik“. Das ist alles zu kurz gedacht.

Die entscheidende Frage besteht vielmehr darin, ob das sog. „Eskalationsmanagement“ überhaupt beherrschbar ist und nicht außer Kontrolle geraten kann, sodass wir statt eines „begrenzten Krieges“ einen unkontrollierten Nuklearkrieg bekommen könnten, der zu dem führt, was wir eigentlich vermeiden wollten: dem „nuklearen Holocaust“ (nuclear holocaust).

Diese Gefahr besteht heutzutage im Ukrainekrieg, wenn man sieht, mit welcher Hemmungs- und Ahnungslosigkeit die EU-Machtelite mit ihrer enthemmten Eskalation auf den nuklearen Abgrund zusteuert.

„Zum Schluss“ weist Colby darauf hin, „dass die Nationale Verteidigungsstrategie von der Erreichung eines >anständigen Friedens<“ spricht, der „nicht von selbst“ entstehe. Dieser beruhe vielmehr „auf einem günstigen Machtgleichgewicht, militärischer Stärke, politischer Entschlossenheit und der glaubwürdigen Fähigkeit, die Kriege der Nation zu führen und zu gewinnen. Und genau darin liegt das zentrale Paradoxon der Strategie im Atomzeitalter: Friedenssicherung erfordert Kriegsvorbereitung – jedoch auf disziplinierte, verhältnismäßige und strategisch sinnvolle Weise“.

Colbys Militärstrategie ist ein Kopfgeburt, weil sie den geopolitischen und geoökonomischen Umwälzungen der Gegenwart nicht gerecht wird. Sie bleibt den Denkmustern des „Kalten Krieges“ verhaftet und weigert sich darüber hinaus zu realisieren, dass eine Vorbereitung zu einem „begrenzten Krieg“ zwischen den Großmächten eine Mission Impossible ist, da er schneller, als man denkt, in einen unbegrenzten Krieg ausarten kann.

2. Sandkastenspiel statt Diplomatie

Als Realpolitiker wusste Kissinger ganz genau, dass die Außenpolitik immer darauf hinaus sein müsse, ein System der Stabilität zu schaffen, in dem die Großmächte einen Anreiz haben, den Weltfrieden zu wahren, will die Welt nicht einen „nuclear holocaust“ erleben. Dieser realpolitische Ansatz ist heute in Europa abhandengekommen.

Wenn man die Außenpolitik rein ideologisch konzipiert, dann bekommt man statt Realpolitik entweder „Theologie“ oder „Psychiatrie“, wie Kissinger einst spöttisch anmerkte. In den US-amerikanischen Eliten herrschte eine außenpolitische Stimmung vor, die entweder von der Theologie oder von der Psychiatrie vorgegeben wurde und folgerichtig „geopolitische Erwägungen ganz einfach ausschloss“. „Die Väter der >containment<-Politik – Acheson, Dulles und ihre Kollegen“, meinte Kissinger, „hatten . . . ihr Werk ausschließlich mittels theologischer Kategorien konzipiert.“2

Heute sieht es in Europa nicht besser aus. Heute wird die EU-Außenpolitik von Ideologen beherrscht und die EU-Diplomatie ohne Diplomaten praktiziert. Die EU-Europäer haben in den vergangenen fünfunddreißig Jahren die klassische Diplomatie verlernt. Seit dem Untergang des Sowjetreiches gebärden sie sich im Zeitalter der Unipolarität und im Schatten der US-Hegemonie als eine „globale Macht“, die es gewöhnt ist, statt zu verhandeln, zu diktieren.

Ein solch anmaßendes Gebaren zeigt sich geradezu paradigmatisch in den stattfindenden Verhandlungen zur Beilegung des Ukrainekrieges. Die EU-Diplomatie hat gar nicht vor, mit Russland zu verhandeln. Ganz im Gegenteil: Sie bildet sich als Interessenvertreterin einer Kriegspartei ein, die auf dem besten Wege ist, den Krieg zu verlieren, die Friedensbedingungen diktieren zu können.

Eine verkehrte Welt: Die Unterstützerin der unterlegenen Kriegspartei diktiert einer Siegermacht in spe die Bedingungen des Friedens. Wahnsinn mit Ansage! Das ist keine Diplomatie, sondern ein Sandkastenspiel! Die EU-Politmatadoren führen Selbstgespräche unter Gleichgesinnten, statt mit der gegnerischen Kriegspartei zu verhandeln, und halten die Ergebnisse ihrer Selbstgespräche für eine „diplomatische“ Glanzleistung, ohne mit Russland verhandeln zu wollen.

Allein die Absicht mit dem „Aggressor“ zu verhandeln, halten sie einerseits für Zumutung. Sie fordern aber andererseits an den Verhandlungen teilzunehmen, die sie hinhalten und nicht ergebnisorientiert führen möchten.

„Ich habe in meinem Leben viele Konferenzen mitgemacht“, schreibt der britische Diplomat, Lord Vansittart (1881-1957) in seiner Schrift „The Decline of Diplomacy“ (1950)3, „aber niemals begann ich ohne eine Hoffnung auf ein bald zu erreichendes Ergebnis. Das kann heute niemand mehr von sich behaupten. Oft werden Ergebnisse gar nicht erwartet und oft sind sie sogar unerwünscht. Und die Verhandlungstechnik verkommt ebenso oft zu einem handfesten Streit.“

Eine verkehrte Welt! Das von der EU angestachelte Kiewer Regime hält sich für unbesiegbar in der Stunde der Niederlage und bildet sich ein, ihre Fantasievorstellungen vom Frieden durchsetzen zu können. Da haben sich beide, die Eurokraten unter Frau von der Leyen und das Kiewer Regime unter Selenskyj zusammengetan, um den Wahnsinn zur Verhandlungsmethode zu erheben!

Für sie ist Diplomatie nicht die Kunst des Machtbaren, sondern eine Waffe im nie enden wollenden Krieg gegen den „Aggressor“ und „Erzfeind“ aus dem Osten. Diplomatische Verhandlungen zielen hier nicht auf eine Verständigung und ein zufriedenstellendes Ergebnis ab, sondern auf die Behinderung des Friedensprozesses und die Fortsetzung des Krieges getreu der Devise „Frieden ist gefährlicher als Krieg“.

So sagte die dänische Premierministerin, Mette Frederiksen (geb. 1977), stellvertretend für das EU-Establishment der TV-Sendung „21 Søndag“ am 23. Februar 2025: „Ich verstehe, wenn viele Menschen denken, dass eine friedliche Lösung oder ein Waffenstillstand eine gute Idee sei, aber wir laufen Gefahr, dass der Frieden in der Ukraine tatsächlich gefährlicher ist als der Krieg, der jetzt stattfindet.“

Mit ihrer Meinung steht sie in der EU nicht alleine da. Sie verkörpert die Mehrheitsstimmung des EU-Establishments. Diese kriegslüsterne junge Politikergeneration wird den Völkern Europas ahnungslos, wie sie ist, nur Krieg und Verderbnis bringen.

Die Konsequenz einer solchen Nichtdiplomatie wäre, zu Ende gedacht, eine Neuauflage des „totalen Krieges“, der auf Vernichtung des Feindes und nicht auf Verständigung mit ihm hinausläuft. Im nuklearen Zeitalter führt eine solche Pseudo-Diplomatie letztendlich zur Selbstvernichtung und dem „nuclear holocaust“.

Der EU-Kriegspartei, die in den europäischen Korridoren der Macht die Szene beherrscht, und dem Kiewer Regime geht es in Wahrheit nicht um ernsthafte Verhandlungen, sondern um eine Verzögerung und Hinhaltetaktik, um Gespräche stets in der Schwebe zu halten und sie endlos führen zu können. Sie sprechen vom Frieden und denken an Krieg.

Eine derart „doppelzüngig geführte Verhandlung“ (wörtlich „negotiation by equivocation“), wie der britische Außenminister, Selwyn Lloyd (1955-1960), verbittert Gromykos Taktik während der Londoner Gespräche vom Juli 1959 bezeichnete4, ist mit Russland nicht zu machen und von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Eine Verhandlungstaktik, die nach dem Motto verfährt: „Ein Aggressor wie Russland, darf für seine Aggression nicht belohnt werden“ (Johann Wadephul auf dem Berliner Forum Außenpolitik der Körber-Stiftung am 15.11.2025), ist keine Diplomatie, sondern deren Abwesenheit.

Sie lehnt a priori alles ab, was Russland fordert und führt allein zur Verhärtung der russischen Position, ohne deren Akzeptanz keine Beendigung des Krieges möglich ist. Aber genau darum geht es solchen Pseudo-Diplomaten wie Wadephul.

Solchen Nichtdiplomaten ist es gleichgültig, ob die Ukraine weiter zerstört wird und noch zehntausende Ukrainer in diesem Krieg ihr Leben verlieren. Es ist ja nicht Deutschland und Europa, das zerstört wird, und nicht die EU-Europäer, die sterben. Viel wichtiger als die Rettung von Menschenleben sei ja das Prinzip des Nichtdiplomaten Wadephul: Der „Aggressor … darf für seine Aggression nicht belohnt werden“.

Bei solchen Prinzipienreitern ist offenbar die Binsenwahrheit noch nicht durchgedrungen, dass Russland sich militärisch nehmen kann, was es diplomatisch nicht bekommen wird. Und kein EU-Gipfeltreffen, keine Prinzipienreiterei à la Wadephul, Merz´ Schimpftiraden, Macrons Drohgebärden, Starmers Kriegstrommel oder von der Leyens militante Rhetorik werden daran irgendetwas ändern können.

Man muss sich schon mit weniger zufrieden geben und sich darüber freuen, dass wenigstens in den USA an den Schalthebeln der Macht ein Opportunist wie Donald Trump sitzt, der auch mit Diplomatie nichts am Hut hat, nicht desto weniger aber begriffen hat, dass er sich mit Putin lieber auf einem diplomatischen Wege einigt, statt eine totale militärische Niederlage der Ukraine und einen katastrophalen Gesichtsverlust der Nato-Allianz in Kauf zu nehmen.

„Alles fließt“ (Everything flows), zitiert Lord Vansittart am Ende seiner Schrift „The Decline of Diplomacy“ Heraklits Spruch und fährt fort: „Wir haben den Glauben an den Fortschritt verloren und die Diplomatie gehört … vorübergehend zu den Opfern … Sie mag in modernem Gewand wieder zu alter Stärke finden; tatsächlich ist sie unter zivilisierten Völkern nie in Vergessenheit geraten. … Sie wird (aber) niemals weltweite Akzeptanz erlangen, solange die neuen Barbaren das Sagen haben (it can never regain worldwide acceptance, so long as the New Barbarians hold sway).“

Mit „neuen Barbaren“ meinte Lord Vansittart inmitten des „Kalten Krieges“ die Sowjetkommunisten. Heute sind die sog. „zivilisierten Völker“ zu „New Barbarians“ aufgestiegen, die Diplomatie durch Schimpf- und Hasstiraden substituiert haben. Am Ende des Weges wird der Sieg und nicht Diplomatie den Krieg beenden. Denn „победа – враг войны“ (der Sieg ist der Feind des Krieges), sagte einst der große russische Generalissimus, Alexander W. Suworow (1730-1800).

Anmerkungen

1. Remarks by Under Secretary of War for Policy Elbridge Colby at the National War College (As Prepared):
„To borrow Henry Kissinger’s formulation, our task therefore is to find a rational military strategy
somewhere between surrender and suicide.“
2. Kissinger, H., Die Vernunft der Nationen. Über das Wesen der Außenpolitik. Berlin 1994, 782.
3. Lord Vansittart, The Decline of Diplomacy, Foreign Affairs, 1. Januar 1950.
4. Zitiert nach Craig, G. A., Krieg, Politik und Diplomatie. Wien/Hamburg 1968, 309, FN 84.

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