Verlag OntoPrax Berlin

Haben die USA noch die Eskalationsdominanz?

Celeste A. Wallanders fragwürdige These

Übersicht

1. Eskalationsdominanz oder Atomkrieg?
2. Militärtechnologische Entwicklungen und die Abschreckungsstrategie

Anmerkungen

 

„Our task … is to find a rational military strategy somewhere between surrender and suicide.“
(Unsere Aufgabe ist es …, eine rationale Militärstrategie zu finden, die irgendwo
zwischen Kapitulation und Selbstmord liegt.)

(Elbridge Colby, 19. Mai 2026)

 

1. Eskalationsdominanz oder Atomkrieg?

Die ehem. Staatssekretärin im US-Verteidigungsministerium, Celeste A. Wallander (2022-2025), hat am 28. Mai 2026 in Foreign Affairs eine ziemlich fragwürdige sicherheitspolitische Studie mit dem Titel „The Coming Crisis of NATO Deterrence. Nuclear Guarantees Cannot Replace U.S. Forces in Europe“ (Die kommende Krise der Nato-Abschreckung. Nukleare Garantien können die US-Streitkräfte in Europa nicht ersetzen) vorgelegt.

Wie nicht anders zu erwarten war, setzt sich die US-Demokratin mit der US-Sicherheitspolitik in Europa auseinander und übt scharfe Kritik gegen die sicherheitspolitische Vorgehensweise der Trump-Administration.

Trump geht „eine gefährliche Wette“ (a dangerous bet) ein, beklagt sich Wallander gleich zu Beginn ihrer Ausführungen, weil er „die Stationierung eines Präzisionsschlagbataillons mit großer Reichweite in Deutschland“ absagte und „den Abzug von rund 5.000 Soldaten aus dem Land“ ankündigte.

Gleichzeitig versichert die Trump-Administration, dass ihr Engagement für die Verteidigung Europas ungebrochen bleibe, und bekräftigt die Zusage, den nuklearen Schutzschirm der USA aufrechtzuerhalten. Diese scheinbar einfache Lösung zur Lastenteilung zwischen Europa und Amerika, nämlich einerseits weniger US-Bodentruppen und konventionelle Waffen in Europa zu stationieren, andererseits aber nukleare Abschreckung zu garantieren, soll laut Wallander „strategisch gefährlich (strategically dangerous) sein, da sie die Grundlagen der Abschreckung (the foundations of the deterrence) untergräbt, die das transatlantische Bündnis jahrzehntelang geschützt hat.“

Dies vorausgeschickt, beteuert sie, dass die Trump-Administration, statt die Stabilität in Europa zu gewährleisten, Russland dazu animiert, „die Nato-Eskalationsdominanz zu testen“ (to test NATO’s escalation dominance). Der Abzug der US-Truppen von lediglich 5.000 Soldaten verringere angeblich diese Eskalationsdominanz und schwäche die Abschreckung gegenüber der „russischen Aggression in Europa“. Langfristig könnte ein Eskalationszyklus einen US-Präsidenten vor eine schwierige Wahl stellen: „entweder nachzugeben oder einen Atomkrieg zu riskieren“ (back down or risk nuclear conflict).

Diese vermeintlich einzige Alternative: Eskalationsdominanz oder Atomkrieg vor Augen formuliert sie sodann die Kernthese ihrer Studie: Der Schlüssel zur Abschreckung Moskaus besteht nicht darin, die Eskalation bis auf die Spitze zu treiben, um am Ende der Eskalationsleiter Atomwaffen einzusetzen, sondern auf den unteren Ebenen, wo konventionelle Waffen entscheidend sind.

Hinter der formulierten sicherheitspolitischen Alternative: Eskalationsdominanz oder Atomkrieg verbirgt sich in Wahrheit die Empörung der US-Demokraten und transatlantischen Eliten, durch die Person unserer Autoren repräsentiert, über Trumps Ukrainepolitik, die nicht bereit und gewillt sei, „die russische Aggression in Europa“ wirksam zu bekämpfen, als wäre die Ukraine seit Jahr und Tag ein integrierter und untrennbarer Bestandteil der Nato-Allianz in Europa.

Die von der Autorin aufgestellte These zeigt, wie zutiefst ahistorisch heutzutage gedacht wird und wie schnell doch die Geschichte des „Kalten Krieges“ in Vergessenheit geraten ist. Denn die Überlegungen der Trump-Administration, die US-Truppenstärke in Europa teilweise, falls überhaupt, zurückzufahren und allein aus ökonomischen Erwägungen konventionell abzurüsten, im Gegenzug aber eine nukleare Abschreckung zu gewährleisten, ist weder neu noch originell. Die Diskussion darüber ist so alt wie der „Kalte Krieg“ selbst.

Dass die US-Demokratin und Sicherheitspolitikerin, Wallander (geb. 1961), die Geschichte der nuklearen Abschreckung nicht kennt, erstaunt, es sei denn, sie empört sich theatral wider besseres Wissen und allein aus partei- und innenpolitischen Erwägungen.

Die Diskussion über die nukleare Abschreckung war immer schon untrennbar verbunden mit der tatsächlichen oder vermeintlichen konventionellen Überlegenheit der Sowjets in Europa. Vor diesem Hintergrund hat die US-Schutzmacht als erste die taktischen Atomwaffen neben den strategischen entwickelt und in Europa stationiert, um die massive konventionelle Überlegenheit der Sowjetunion an Truppen, Panzern und Artillerie auszugleichen.

Um zu verhindern, dass die Sowjetunion im Falle eines militärischen Konflikts Westeuropa mit ihrer konventionellen Übermacht einfach überrennt, entwickelten die USA kleinere, gefechtsfeldtaugliche Nuklearwaffen.

Die ersten taktischen Atomwaffen der USA wurden bereits im September 1954 in Europa stationiert. Wie erdrückend die geglaubte konventionelle Überlegenheit der Sowjets war, kann man am Urteil des französischen Marschalls, Alphonse Juin (1888-1967), ablesen.

Noch sieben Jahre nach der Gründung der Nato urteilte Juin (damals Alliierter Oberkommandierender für den zentralen Verteidigungsabschnitt Europa-Mitte) 1956, dass „wenn man die 1944 von den Russen in Weißrussland entwickelte Offensive auf das Gebiet am Rhein überträgt und dabei die gleichen Truppenstärken, die gleichen Ausmaße der Angriffsfront und den gleichen Vormarschrhythmus zugrunde legt, ein solcher Angriff gleichzeitig die Räume Köln und Straßburg erfassen und nach einem Durchbruch in der Lage sein würden, die Linie Trier-Saarbrücken nach sechs Tagen und die Linie Boulogne-Paris-Orléans-Bourges nach 23 Tagen zu erreichen“1.

Juin sah in der russischen Ausgangsposition in Thüringen „eine gefährlich geladene Pistole mitten in Deutschland und auf das Herz Frankreichs gerichtet“, kommentiert Lothar Ruehl (ebd.) dessen Urteil und zitiert ihn weiter mit den Worten aus dem Jahr 1953: „500 bis 600 Kilometer Tiefe sind sehr wenig. Wir werden sofort ans Meer getrieben, und man hat uns aufgetragen, diesen Brückenkopf Europa um jeden Preis zu halten.“

Die reale Stärke der sowjetischen Militärmacht, die für einen Krieg in Europa eingesetzt werden könnte, blieb freilich seit Beginn der 1950er-Jahre in der westlichen Einschätzung umstritten. Dessen ungeachtet rief 1973 eine Studie aus dem US-Verteidigungsministerium über die Möglichkeit einer konventionalen Verteidigung in Europa ohne Kernwaffen heftigen Widerspruch hervor.

Der wirkliche Grund der Kontroverse zwischen den Nato-Verbündeten 1973 wie 1961-1968 war nämlich die Schlussfolgerung, dass die westeuropäischen Länder sich kraft größerer Anstrengungen auch ohne US-Nuklearwaffen „in einer konventionellen Abwehrschlacht gegen einen nicht mit Nuklearwaffen geführten sowjetischen Großangriff lange genug behaupten können, um diesen konventionell abzuschrecken“2.

Wie die Kontroversen zwischen den USA und Westeuropa während des „Kalten Krieges“ zeigen, ist die aktuelle US-Sicherheitspolitik in Europa nichts Neues und Trumps Forderung nach mehr Engagement der europäischen Nato-Verbündeten auf dem Gebiet der konventionellen Aufrüstung nichts Außergewöhnliches, ganz zu schweigen davon, dass Europa heute nicht geteilt ist und die Sowjettruppen nicht mitten in Berlin stehen.

Es ist darum nichts dran an Wallanders empörter Kritik. Trumps sicherheitspolitische Vorgehensweise in Europa ist beim näheren Hinshen abschreckungsneutral; sie wird weder zu mehr noch zu weniger Abschreckung führen.

Die Sicherheitspolitik der Trump-Administration in Europa ist genau das, was McNamara zu seiner Zeit „eine wichtige nichtnukleare Option“ der Nato zur Verteidigung Westeuropas genannt hat. Seine Forderung „auf eine Verstärkung der nichtnuklearen Streitkräfte der europäischen Nato-Partner … warf in ihrer eigenen Logik die Frage auf, ob die amerikanische Strategie die Verteidigung Westeuropas nicht von der Kriegsplanung mit Nuklearwaffen und damit vom globalen Abschreckungsbereich der strategischen Kernwaffen abzukoppeln sucht, um es einem konventionell geführten begrenzten Krieg zu überlassen, in dem dann erst in einer kritischen Lage die in Reserve gehaltenen taktischen Nuklearwaffen im Zuge einer räumlich begrenzten Eskalation eingesetzt würden.“3

Übertragen auf die Gegenwart würde ein solcher geographisch kontrollierter, horizontaler Eskalationsvorgang russisches Gebiet aussparen und das Gefechtsfeld Mittel- und Westeuropa zum alleinigen Schauplatz eines begrenzten Nuklearkrieges als Folge eines begrenzten konventionellen Krieges machen und es also zweimal zerstören: zunächst in herkömmlicher Weise, dann mit Kernwaffen.

Damit würde dann ein „nuklearer Stellvertreterkrieg“ geführt, aber die Eskalation nicht vertikal freigegeben, d. h. nicht auf die Ebene der globalen und massiven Wirkung der strategischen Kernwaffen, die gegen Russland eingesetzt werden müssten und daher den Nuklearkrieg zwischen Amerika und Russland auslösen würden4.

Vor diesem historischen Hintergrund wird auch der sicherheitspolitische Game Change der Trump-Administration deutlich, der, nebenbei gesagt, auch die Annährung der USA an Russland erklärt. Trump geht es gar nicht um eine Schwächung oder Stärkung der Abschreckung gegen eine wie auch immer geartete „russische Aggression“. Ihm geht es vielmehr um die Vermeidung eines Nuklearkrieges zwischen den zwei nuklearen Supermächten Russland und den USA im Zweifel zu Lasten und auf Kosten Europas! Das ist der springende Punkt der gesamten Sicherheitsstrategie der Trump-Administration.

2. Militärtechnologische Entwicklungen und die Abschreckungsstrategie

Nun hebt Wallander bei ihren weiteren Ausführungen immer wieder die Eskalationsdominanz der USA hervor, die jederzeit in der Lage sei, „die russische Aggression“ abzuwehren. Mehr noch: „Russland lässt sich angesichts der US-Eskalationsdominanz weiterhin abschrecken“ (Russia remains deterred in the face of U.S. escalation dominance), beteuert sie und schreibt weiter: „Solange die USA eine starke Präsenz in Europa aufrechterhalten, wird Moskau gegen kein Nato-Land das versuchen, was es 2022 gegen die Ukraine unternommen hat … Sollte sich Washington jedoch vom Kontinent zurückziehen, werden sich Moskaus Kalkulationen ändern.“

Allein die zitierte Passage zeigt, wie sehr das außen- und sicherheitspolitische US-Establishment, verkörpert durch die Person der ehem. US-Staatssekretärin, immer noch von der Größe und Übermacht der amerikanischen Nation überzeugt ist, die vor lauter Kraft kaum gehen kann und die nicht mehr vorhandene Eskalationsdominanz überhöht.

Ausgerechnet der Irankrieg zeigt aber, dass selbst eine solche Mittelmacht wie der Iran unter Umständen mehr als die USA eine Eskalationsdominanz besitzen kann.

Davon abgesehen, stellt sich die Frage: Warum soll Russland die Nato-Länder überhaupt angreifen? Die Frage haben die transatlantischen Falken nicht einmal gestellt, geschweige beantwortet, so sehr sind sie Opfer ihrer eigenen Propaganda geworden und wittern hinter jedem Kieselstein „die russische Gefahr“.

Die nicht mehr vorhandene US-Eskalationsdominanz wäre heutzutage aber auch kein probates Mittel, um die Sicherheit in Europa zu garantieren. Was die Sicherheit in Europa zu Zeiten des „Kalten Krieges“ gewährleistet hat, war nicht die US-Eskalationsdominanz, sondern die Anerkennung der Sowjetunion als einer gleichrangigen und gleichwertigen Macht durch die USA in den 1960er-Jahren, ohne dass dabei die Systemunterschiede wegretuschiert wurden.

Nixon ging „vom Beginn seiner Präsidentschaft 1969 von einer solchen Gleichwertigkeit der Macht beider Länder aus, obwohl er die Unterschiede zwischen ihnen natürlich als eine Überlegenheit des amerikanischen über das sowjetische System und des Machtpotentials der Vereinigten Staaten über das der Sowjetunion auffasste. Nur zog er daraus nicht mehr die Konsequenz amerikanischer Überlegenheit im strategischen Kräfteverhältnis.“5

Genau diese „Gleichwertigkeit der Macht“ wurde Russland nach dem Ende des Ost-West-Konflikts von den USA bzw. den transatlantischen Eliten abgesprochen. Russland habe den „Kalten Krieg“ verloren und solle sich gefälligst den westlichen „Siegermächten“ unterordnen.

Auf der Anerkennung der „Gleichwertigkeit der Macht“ gründete aber mental, psychologisch und politisch die gesamte Abschreckungsstrategie des „Kalten Krieges“. Vor diesem Hintergrund versagt die russische Abschreckung heute, weil der Westen das ihm angedrohte Risiko für unglaubwürdig hält und vom Abschreckungswillen des Abschreckenden zur Ausführung seiner Drohung nicht überzeugt ist, solange die angedrohte Handlung abstrakt im Raum steht, ohne de facto umgesetzt zu werden.6

Die Folge einer solchen Geisteshaltung ist die enthemmte Eskalationsbereitschaft, die erst dann zu Ende kommt, wenn es zu spät ist, sobald sich das angedrohte Ereignis tatsächlich ereignet hat. Erst dann wird das angedrohte Risiko sichtbar, aber nicht mehr abwendbar.

In dieser zeitlichen Inkongruenz, die die unüberwindbare Kluft zwischen >zu früh< und >zu spät< nie überbrücken kann, steckt das Dilemma des Abschreckungsprinzips.

Das Abschreckungsprinzip muss versagen, sobald der Abschreckungsadressat es aus Blauäugigkeit oder Überheblichkeit ignoriert und die Unerträglichkeit des angedrohten Risikos verharmlost. Die Androhung thermonuklearer Vernichtung verliert auch deshalb ihre Glaubwürdigkeit, weil eine nukleare Vergeltung nicht nur Selbstvernichtung impliziert, sondern auch durch moralische Skrupel und eine staatstragende Verantwortung für die Existenz des eigenen Volkes gehemmt wird.

So gesehen, läuft die Abschreckungsstrategie ins Leere und man kann der von Helmut Schmidt bereits 1961 gewonnenen Erkenntnis nur beipflichten, wenn er sagt: „Die These von der Unvermeidbarkeit nuklearer Verteidigung ist tödlicher Unfug.“7

Schmidts Erkenntnis bedarf freilich heute – 65 Jahre später – in Anbetracht des militärtechnologischen Quantensprungs im Bereich der Hyperschallgeschwindigkeitstechnologien einer wesentlichen Ergänzung. Diesen Quantensprung kann man spätestens mit 21. November 2024 datieren, der den Einsatz der Nuklearwaffen womöglich überflüssig macht.

An diesem Tag hat Russland das neueste nichtnukleare Hyperschallangriffssystem „Oreschnik“ unter Kampfbedingungen getestet. In seiner Rede in Astana (Kasachstan) hat Putin am 28. November 2024 Einzelheiten über die „Oreschnik“-Eigenschaften preisgegeben:

  1. „Dutzende Sprengköpfe und Zielsucheinheiten greifen das Ziel mit einer Geschwindigkeit von zehn Mach an, was etwa drei Kilometern pro Sekunde entspricht. Die Temperatur der sprengenden Elemente (поражающие элементы) erreicht 4000 Grad. Wenn ich mich richtig erinnere, beträgt die Temperatur auf der Sonnenoberfläche 5,5–6.000 Grad. Daher wird alles, was sich im Epizentrum der Explosion befindet, in Fraktionen und Elementarteilchen zerlegt und buchstäblich pulverisiert. Die Rakete trifft stark geschützte Objekte in großen Tiefen …
  2. Im Falle eines massiven Gruppeneinsatzes dieser Rakete kommt es zu einer gewaltigen Explosion vergleichbar mit dem Einsatz von Atomwaffen, auch wenn Oreschnik keine Massenvernichtungswaffe ist, weil es sich erstens … um eine Hochpräzisionswaffe handelt und es zweitens (und das ist das Wichtigste) … keine nukleare Kontamination nach ihrem Einsatz gibt.
  3. Heute haben wir mehrere einsatzfähige Exemplare dieser Art auf Lager. Und natürlich werden wir, wie gesagt, auf die anhaltenden Angriffe westlicher Langstreckenraketen auf russisches Territorium reagieren, indem wir Oreschnik u. U. weiterhin unter Kampfbedingungen testen, wie es am 21. November der Fall war.“

Die zitierte Passage zeigt, dass die modernsten Militärtechnologien im Gegensatz zu Zeiten des „Kalten Krieges“ womöglich in der Lage sein würden, die Nuklearwaffen als Abschreckungswaffen mittel- bis langfristig zu substituieren, die ebenfalls eine verheerende Wirkung entfalten können, ohne freilich die Umwelt kontaminieren zu müssen.

Als Russland kürzlich die Oreschnik-Rakete in der Ukraine einsetzte, traf sie dort, „wo es sich anbietet, die Auswirkungen zu beobachten“, sagte Putin am 4. Juni 2026 und merkte an, dass sie noch nicht im eigentlichen Sinne des Wortes im Kampf eingesetzt worden sei. Der Zweck des Oreshnik-Angriffs auf eine Scheune in der Ukraine sei „die Untersuchung der Anordnung der Blöcke gewesen. Nach dem Angriff seien russische Drohnen in die Scheune geflogen und hätten „beobachtet, wie die expandierenden Blöcke platziert waren“, erklärte Putin anschließend.

Wie dem auch sei, man wird beim Einsatz dieser neuen Militärtechnologie zumindest keinen moralischen Skrupel mehr haben. Ob man dieses Faktum bedauern oder begrüßen soll, sei dahingestellt. Nur eins wird immer deutlicher: Die neuen militärtechnologischen Entwicklungen werden die Abschreckungsstrategie der Zukunft von Grund aus verändern. Und diese Veränderung findet bereits heute vor unseren Augen statt.

Die transatlantischen Machteliten können sich deswegen nicht in trügerischer Sicherheit wiegen, straf- und endlos eskalieren zu können, ohne von Russland eine verheerende Reaktion zu erwarten, auch wenn diese nicht unbedingt nuklearer Natur sein sollte.

Anmerkungen

1. Zitiert nach Ruehl, L., Machtpolitik und Friedensstrategie. Einführung General Steinhoff. Hamburg 1974,
107.
2. Ruehl (wie Anm. 1), 109.
3. Ruehl (wie Anm. 1), 109 f.
4. Vgl. Ruehl (wie Anm. 1), 110.
5. Ruehl (wie Anm. 1), 235.
6. Vgl. Schmidt, H., Verteidigung oder Vergeltung. Ein deutscher Beitrag zum strategischen Problem der Nato.
Stuttgart 41965, 241.
7. Schmidt (wie Anm. 6), 243.

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