Militärische Kräfteverhältnisse
Übersicht
1. „Auf Kollisionskurs mit der Geschichte“
2. Angriffskrieg versus Abwehrkampf
Anmerkungen
„Krieg ist ein Weg der Täuschung.“
(Sun Tzu)
1. „Auf Kollisionskurs mit der Geschichte“
„Die Vereinigten Staaten von Amerika, lange Jahre ein Liebling des Schicksals, befindet sich auf Kollisionskurs mit der Geschichte“, schrieb der US-Politikwissenschaftler, Benjamin R. Barber (1939-2017), inmitten von „Global War on Terror“ in seinem 2003 veröffentlichten Werk „Imperium der Angst“. Der Grund liegt nach Barbers Meinung darin, dass „Amerika die Augen vor der Erkenntnis (verschließt), dass die neue Welt des 21. Jahrhunderts notwendigerweise eine Welt der gegenseitigen Abhängigkeit, der Interdependenz sein wird“.
Genau auf diesem „Kollisionskurs mit der Geschichte“ befindet sich das heutige Amerika unter seinem „Heilsbringer“ Donald John Trump. Nach einem Jahr Irrungen und Wirrungen erlebt Trump, der sich eingebildet hat, er könne wie Jesus übers Wasser gehen, mit dem Irankrieg sein Waterloo.
Wie die USA zu Zeiten des „Global War on Terror“ der terroristischen Herausforderung begegnet waren, indem sie „eine rücksichtslose Militanz an den Tag“ legten und „ein amerikanisches Imperium der Angst“ errichteten, das „furchterregender ist als alles, was Terroristen sich ausdenken“ konnten1, legt Trump seit einem Jahr eine solch hochmütige, hemmungs- und rücksichtslose Außenpolitik an den Tag, die auf Dauer nur scheitern kann.
„Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall“, lautet die alte Weisheit (Lutherbibel, Sprüche 16,18). Mit der Reanimierung des „Imperiums der Angst“ kann man heutzutage bestenfalls Pyrrhussiege feiern.
Im Glauben, die ins Schwanken geratene Hegemonie Amerikas aufhalten und seinen geopolitischen Rivalen Macht und die Größe Amerikas zeigen zu können, hat Trump nach allen möglichen Scharmützeln und Kleinkriegen einen großen Krieg gegen den Iran vom Zaun gebrochen und wird jetzt mit Folgen konfrontiert, denen Trumps Amerika anscheinend militärisch gar nicht gewachsen ist.
Trump ist auf dem besten Wege, statt Amerikas Hegemonie zu retten, sie zu zertrümmern. Hätte er Churchills Warnung gekannt, dann hätte er sich nie auf dieses Abenteuer eingelassen: „Man darf nie, nie, nie glauben, ein Krieg werde glatt und leicht vonstattengehen oder irgendjemand, der sich auf diese Reise ins Unbekannte begibt, könne die Gezeiten und Hurrikane, denen er begegnen wird, vorausberechnen. Der Staatsmann, der sich vom Kriegsfieber anstecken lässt, muss wissen, dass er, sobald der Startschuss gefallen ist, nicht mehr Herr der Politik ist, sondern Sklave unvorhersehbarer und unkontrollierbarer Ereignisse.“
Trump ist nicht mehr Herr seiner Kriegspolitik, die er mutwillig selbstverschuldet hat. Und nun ist er „Sklave unvorhersehbarer und unkontrollierbarer Ereignisse“ geworden und weiß nicht, wie er aus diesem Kriegsschlamassel herauskommt.
Wie konnte es dazu überhaupt kommen? Hat Trump im Wahlkampf 2024 nicht versprochen, keine neuen Kriege zu beginnen und bestehende Konflikte (wie in der Ukraine) rasch beenden zu können? Und präsentierte er sich nicht als „Friedensstifter“, der „ewige Kriege“ beenden will?
Sieht man von den in den Medien kolportierten Spekulationen ab: Trump habe sich von Netanjahu in den Krieg gegen den Iran hineinziehen lassen, so liegt die Vermutung nahe, dass er mit seinen nahezu achtzig Jahren jenem unzeitgemäßen militaristischen Geist des imperialen Amerikas verhaftet bleibt, den er im Wahlkampf selbstredend bekämpfen wollte und in dem er nun Ruhm und Gloria „der unverzichtbaren Nation“ (the indispensable nation) erblickt.
Militärische Stärke ist zwar ein Wesensmerkmal einer imperialen Macht, aber kein hinreichendes Attribut für imperiale Größe! Unabhängig davon, ob Biden oder Trump US-Präsident ist, bleibt es, wie man sieht, alles beim Alten: Als Hegemonialpolitik befindet sich die US-Außenpolitik in einer Sackgasse, solange die überkommenen außenpolitischen Dogmen und Mythen nicht überwunden und/oder beseitigt werden.
„America is Cursed by a Foreign Policy of Nostalgia“ (Amerika ist verflucht durch eine Außenpolitik der Nostalgie) diagnostizierten Nancy Okail und Matthew Duss in ihrem gleichnamigen Artikel, den Foreign Affairs bereits am 3. Dezember 2024 veröffentlichte. „Washington Needs Something Better Than >America First< and >America is Back<“ (Washington braucht etwas Besseres als „America First“ und „America Is Back“), schrieben sie im Untertitel ihrer Veröffentlichung, kurz bevor Trump seine zweite Amtszeit als US-Präsident eingetreten hat.
Heute wissen wir, wie recht die Autoren doch mit ihrer Ablehnung sowohl „America First“- als auch „America is Back“-Politik hatten. Der Nostalgiker Trump hat der Welt mit seiner „America First“-Politik mehr Fluch als Segen gebracht. Der Nahe Osten brennt und der vom Zaun gebrochene Krieg gegen die Islamische Republik Iran entwickelt sich immer mehr zu einem Desaster.
Trump wiederholt die gleichen außenpolitischen Fehler seiner Amtsvorgänger. Die unumstößliche außenpolitische Überzeugung des US-Establishments, dass nämlich die Weltordnung von der „American military hegemony“ gestützt werden müsse und es selbstverständlich wert sei, sie aufrechtzuerhalten und auszubauen, erweist sich immer mehr als Fata Morgana.
Der Feldzug gegen den Iran zeigt schon jetzt: Die USA können bomben, schwerste Zerstörungen und Verheerungen des Landes verursachen, die Zivilbevölkerung terrorisieren, tausende und abertausende Menschen abschlachten; sie können nur nicht den Krieg gewinnen und die stolzen Iraner in die Knie zwingen. Trump hat schon jetzt mit seinem geplanten Blitzkrieg nicht nur eine Bauchlandung erlitten, sondern auch – was noch schlimmer ist – Amerika als Militärmacht entzaubert.
Trump sei Dank! Er hat gezeigt, dass sein Amerika ein militärischer Koloss auf tönernen Füßen ist. Es ist kein „Imperium der Angst“ mehr, sondern eher ein Imperium, vor dem man keine Angst und keinen Respekt mehr hat. Trumps „America first“-Ansatz ist genauso wie der „liberale Internationalismus“ der US-Demokraten zum Scheitern verurteilt und der gescheiterte Blitzkrieg ist ein beredter Zeuge.
Auch wenn es längst klar geworden ist, dass Washington sich von der jahrzehntelang praktizierten US-Außenpolitik lösen muss, hält ein Großteil des außenpolitischen US-Establishments trotzdem an der „globalen militärischen Hegemonie Amerikas“ fest.
Dieses geradezu pathologische Festhalten an der militärischen US-Vormachtstellung wird noch problematischer, wenn man bedenkt, dass die USA in Wirklichkeit zunehmend seine globale ökonomische und militärische Vormachtstellung verlieren. Amerikas Hegemonie wird immer mehr zum Mythos der im ökonomischen und militärischen Abstieg begriffenen USA.
Was den USA ihre globale Hegemonialstellung noch garantiert, ist allein ihre nur scheinbar unangefochtene, tatsächlich aber längst in Frage gestellte monetäre Vorherrschaft. Fällt auch diese letzte Bastion der US-Hegemonie, dann fällt auch die US-Vormachtstellung in der Welt wie ein Kartenhaus in sich zusammen.
Mit diesem unabwendbaren Entwicklungsgang der Geschichte steht Trump auf Kriegsfuß und ignoriert die Zeichen der Zeit. Je länger aber diese Ignoranz andauert, umso sichtbarer wird der Mythos von „der unverzichtbaren Nation“ und umso aggressiver wird Trumps Amerika „auf Kollisionskurs mit der Geschichte“ gehen mit unabsehbaren Folgen für den Weltfrieden.
2. Angriffskrieg versus Abwehrkampf
Am 28. Februar starteten die USA und Israel die Operation „Epic Fury“ gegen den Iran. Washington verfolgte u. a. das Ziel, die militärischen Kapazitäten der Islamischen Republik zu zerschlagen und Israel erklärte, es werde Teheran den Erwerb von Atomwaffen nicht gestatten. Der Krieg ist in vollem Gange und beide Seiten setzen inzwischen mit Ausnahme der Nuklearwaffen beinahe alles ein, was sie zur Verfügung haben3.
Die USA und Israel haben der iranischen Luftverteidigung in den ersten Tagen stark zugesetzt, auch wenn nicht gänzlich ausgeschaltet. Der Iran versucht seinerseits Vergeltung zu üben, und schlägt zurück, indem er die US-amerikanischen und israelischen Luftverteidigungssysteme im Nahen Osten angreift und zerstört. Teheran ist es gelungen, zahlreiche Radarstationen und Anlagen zu deaktivieren und er versucht das US-amerikanische Aufklärungspotenzial in der Region zu zerstören, um die Effektivität seiner Angriffe zu erhöhen.
Um seine Ziele zu erreichen, setzt das iranische Militär Shahed-Drohnen ein und verfüge zudem über eine breite Palette an Raketen, vor allem über die Typen Emad, Ghadr und Kheibar Shekan.
Während die USA und Israel auf ihre unangefochtene Luftüberlegenheit setzen und sich auf Luftangriffe konzentrieren, verfügt der Iran über ein beträchtliches Raketenarsenal, von dem einige Raketen noch nicht einmal eingesetzt wurden.
Die USA haben die Flugzeugträger Gerald Ford und Abraham Lincoln in die Konfliktzone entsandt, und es gibt Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse, von denen aus Tomahawk-Marschflugkörper gegen den Iran abgefeuert werden, wobei sie hier 500 Flugzeuge stationiert haben, darunter 100 F-35-Kampfflugzeuge der fünften Generation.
Außerdem sind strategische Bomber vom Typ B-2 Spirit, B-1B Lancer und B-52 im Einsatz, die mit JDAM-Bomben (Joint Direct Attack Munition) und JASSM-Marschflugkörpern (Joint Strike Missile) bewaffnet sind. Auch Flugzeuge für die elektronische Kampfführung sind stationiert.
Israel setzt seinerseits rund 200 Flugzeuge ein, die mit den Flugkörpern Air Lora, ROCKS und Blue Sparrow bestückt sind. Die USA und Israel nutzen zudem unbemannte Luftfahrzeuge verschiedener Typen und Einsatzzwecke. Die USA stationierten außerdem Mehrfachraketenwerfer vom Typ M142 HIMARS mit den neuen einsatztaktischen PrSM-Raketen.
Diese gewaltige Luftflotte der Angreifer von ca. 700 Flugzeugen verursacht massive Zerstörungen des Landes und es gibt Berichte über Flächenbombardement, das den Iran in die Steinzeit zurückbomben sollte. Wie das aussieht, kann man heute in Gaza besichtigen.
Irans Schwachstelle ist sein Luftverteidigungssystem; zu seinen Vorteilen zählen hingegen insbesondere die Hyperschallraketen, mit deren Einsatz sich der Iran noch zurückhält. Der entscheidende Vorteil der Angreifer ist ein umfassender Einsatz künstlicher Intelligenz (KI). Alle Operationen der US-Luftwaffe werden unter KI-Führung durchgeführt. Dass KI nicht fehlerfrei ist, konnte man gleich am ersten Kriegstag, dem 28. Februar 2026, erleben, an dem 168 Mädchen ermordet wurden4.
Die USA und Israel verfolgen bei ihren Angriffen klare Taktiken. Israel konzentriert sich vorrangig auf die Zerstörung iranischer Regierungsstrukturen und greift Banken, Regierungsgebäude und Logistikeinrichtungen an. Die USA attackieren iranische Raketenbasen, Abschussrampen und Produktionsanlagen für ballistische Raketen und versuchen die Luftverteidigungssysteme auszuschalten.
Gleichzeitig verfügen die Amerikaner und Israelis selbst über schwache Luftverteidigungssysteme und haben keinen Schutz gegen die Drohnenangriffe der iranischen Shahed. Sie sind daher gezwungen, sie mit F-16-Kampfjets und teuren Sidewinder-Raketen abzuschießen und sogar millionenschwere PAC-2-Raketen von Patriot-Flugabwehrraketensystemen abzufeuern, um Drohnen zu treffen, die keine 100.000 Dollar kosten.
Was die Raketenreserven angeht, so behauptet der Iran, über genügend Raketen zu verfügen. Die Amerikaner sagen dasselbe; angesichts der US-amerikanischen Produktionskapazitäten ist aber davon auszugehen, dass den USA die Raketen und Abfangraketen ausgehen werden, bevor dem Iran die Hyperschallraketen ausgehen. Vor diesem Hintergrund ist Teheran in der Lage, sowohl Israel als auch den USA noch schwere Schäden zuzufügen.
Die USA sind nicht in der Lage, Irans neue Sajjil-Rakete zu kontern. Der Einsatz von Sajjil-Raketen, deren Geschwindigkeit höher sei als die anderer ähnlicher Waffen, was es Patriot-Systemen erschwere, sie abzufangen, wird die Zahl der iranischen Angriffe auf militärische Ziele der USA und Israels verringern und gleichzeitig die Effektivität und Genauigkeit dieser Angriffe erhöhen.
Die Revolutionsgarde hat erklärt, dass der Iran die zweistufige Sajjil-Rakete im Konflikt mit den USA und Israel bereits eingesetzt habe. Die Angriffe umfassten israelische Kommando- und Entscheidungszentren, militärische Infrastruktur und israelische Truppenansammlungen.
Die Israelis setzten ihrerseits aeroballistische Raketen mit einer Reichweite von 500 bis 1000 Kilometern ein, die von Flugzeugen aus einer Höhe abgefeuert werden, die außerhalb der Reichweite von iranischen Flugabwehrraketensystemen operieren. Das iranische Luftverteidigungssystem ist offenbar noch nicht vollständig ausgeschaltet.
Dass der iranische Abwehrkampf alles andere als erfolgslos ist, mussten selbst der US-Kriegsminister, Pete Hegseth, und der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, General Dan Kaine, einräumen. Sie gaben zu, dass Drohnen eine „größere Herausforderung als erwartet“ darstellen und dass die US-Luftverteidigungssysteme „nicht alle abfangen können“.
Es gibt unbestätigte Berichte, wonach Teheran noch vor dem Kriegsausbruch ein geheimes Waffengeschäft mit Russland im Wert von 500 Millionen Euro abgeschlossen hat, das unter u. a. Verba-Raketensysteme und 2.500 Raketen umfasst.
Den vorliegenden Informationen zufolge verfügt der Iran nur über eine lückenhafte Luftverteidigung wichtiger Einrichtungen, was nicht nur die Verteidigung iranischer Anlagen schwächt, sondern auch die Luftverteidigungssysteme selbst angreifbar macht. Die Verba sind gute MANPADS (Man-Portable Air-Defense Systems). Sie unterscheiden echte Ziele von Leuchtraketen und schützen ihre Flugkörper vor Störungen. Das reicht aus, um Ziele in niedriger Höhe und sogar Marschflugkörper in geringer Höhe, einschließlich Drohnen, zu bekämpfen.
Der Iran setzt zudem Drohnen wie die Arash ein. Sie bestehen vollständig aus Verbundwerkstoffen. Ihre Reichweite beträgt 300 Kilometer, Geschwindigkeit 500 Kilometer pro Stunde und der Sprengkopf wiegt 30 bis 50 Kilogramm. Sollte es dem Iran gelingen, Drohnen mit Düsenantrieb in Serie zu produzieren, würde der Schaden an US-Stützpunkten um ein Vielfaches zunehmen.
Der Iran ist, wie man sieht, alles andere als wehrlos. Er vollbringe laut dem russischen Militärexperten, Juri Knutow, „das Undenkbare auf US-Stützpunkten“ (Иран творит невероятное на базах США). Die Folgen der iranischen Gegenangriffe für die US-Stützpunkte sind beachtlich: Diese sind nur minimal besetzt. Die Schiffe der US-Marine befinden sich auf See und wechseln ständig ihre Positionen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass sie, selbst wenn sie etwa von einer Drohne entdeckt werden, noch genügend Zeit haben, die Gefahrenzone zu verlassen, bevor die Rakete gegen sie abgefeuert werden.
Dies macht eine Zerstörung extrem schwierig. Daher sind die Hauptziele der iranischen Angriffe auf die US-Stützpunkte, vor allem ihre Kommandozentralen, Kommunikationszentren und die landgestützte Infrastruktur zur Unterstützung der Schiffe. Diese Einrichtungen werden zuallererst ins Visier genommen.
Knutows Angaben zufolge haben iranische Streitkräfte bereits erhebliche Schäden an den US-amerikanischen Aufklärungssystemen eingerichtet. Bereits in den ersten Tagen wurde eine Raketenwarnstation getroffen, die Ziele in einer Entfernung von bis zu 5.000 km im Blick hatte. THAAD-Systeme und mehrere Radarstationen wurden außer Gefecht gesetzt sowie Raketen- und Luftverteidigungsradare zerstört.
Irans Ziel sei das Luftverteidigungssystem zu „blenden“, da Radar seine „Augen und Ohren“ sei. „Der entstandene Schaden ist beträchtlich: Die Amerikaner verlieren dadurch die Fähigkeit, iranische Raketenstarts umgehend zu erkennen und Zieldaten an die Raketenabwehrsysteme zu liefern. Diese Taktik hat zwei Konsequenzen. Erstens sind die verbleibenden Luftverteidigungssysteme, wie beispielsweise das Patriot-System, gezwungen, ohne Pause oder Wartung im Dauerbetrieb zu laufen, was ihre Triebwerkslebensdauer erheblich beeinträchtigt und zu beschleunigtem Verschleiß und Ausfällen führt. Zweitens ist die Leistungsfähigkeit der Standardradargeräte der Patriot-Systeme selbst zur Erkennung ballistischer Raketen deutlich geringer als die der bereits zerstörten Spezialstationen“, betont Knutow.
Nach Angaben eines Pentagon-Sprechers hat bereits die erste Kriegswoche mit dem Iran den US-Haushalt etwa 6 Milliarden Dollar gekostet, wovon allein 4 Milliarden Dollar für die Bereitstellung von Munition (hauptsächlich für die Luftverteidigungskräfte), die zum Abfangen von vom Iran abgefeuerten Raketen und Drohnen verwendet wurde.
„Wir nehmen 4 Milliarden, teilen sie durch 7 und sehen, dass täglich etwa 600 Millionen für Raketen ausgegeben werden. Bei durchschnittlichen Kosten von 2 Millionen pro Rakete bedeutet das, dass die Amerikaner täglich etwa 200 Raketen einsetzen, also 2.000 in 10 Tagen. Insgesamt wurden in den USA 10.000 Raketen produziert. Davon sind 6.000 veraltete PAC-2-Raketen der ersten Generation, die längst außer Dienst gestellt wurden. Die Lage spitzt sich also dramatisch zu, was darauf hindeutet, dass die US-Luft- und Raketenabwehrsysteme versagen. Dies gilt insbesondere angesichts der Tatsache, dass der Iran nun verstärkt die Infrastruktur der US-Stützpunkte direkt angreift“, berichtet Knutow.
Als Reaktion auf den israelisch-amerikanischen Angriffskrieg „Epic Fury“ startete der Iran, wie man sieht, sofort und ohne Zögern seine Vergeltungsoperation „True Promise IV“ mit schweren Angriffen auf Israel und US-Militärstützpunkte in Nahen Osten. Die Islamische Republik zeigt, dass sie auf einen möglichen Angriffskrieg ziemlich gut vorbereitet war und sich nicht ohne Erfolg zur Wehr setzen kann. Zur Überraschung vieler Militärexperten führt der Iran einen erstaunlich erfolgreichen asymmetrischen Krieg.
Mehr noch: Es wird immer deutlicher, dass der Iran inzwischen die strategische Initiative übernommen hat, wohingegen Trump wutschäumend um sich schlägt und wahllos, wie man hört, auch die zivile Infrastruktur bombardieren lässt, um Angst und Schrecken zu verbreiten.
Trump ist offenbar frustriert und kann nicht fassen, dass die Iraner sich immer noch nicht ergeben wollen. Man muss sich nur seine entgleisende und fassungslos machende Äußerung auf der Zunge zergehen lassen, um den Frust und die Wut dieses „Heilsbringers“ zu begreifen. Auf Nachfrage von Journalisten zeigte sich Trump am 17. März 2026 empört darüber, dass der Iran die Straße von Hormus blockiert, obschon „die USA den Krieg gewonnen haben“. Zum Totlachen!
Wörtlich sagte er: „Es ist nicht einmal von ihrer Seite fair. Wir haben bereits gewonnen! Sie haben kein Recht, damit weiterzumachen.“ Von „Fairness“ spricht ein Mann, der das Land noch im Laufe der Verhandlungen zweimal heimtückisch überfallen hat. Das ist alles, was man von diesem „Gentleman“ wissen muss.
„Der Krieg steuert unaufhaltsam auf einen Wendepunkt zu, an dem alle Optionen schlecht sind“, schreibt Nate Swanson (Senior Fellow und Leiter des Iran-Strategieprojekts beim Atlantic Council) in seinem am 17. März 2026 veröffentlichten Artikel „How America’s War on Iran Backfired. Tehran Will Now Set the Terms for Peace“ in Foreign Affairs.
Trump wird „schon bald vor der Wahl stehen“, spekuliert Swanson, „entweder den unpopulären Krieg fortzusetzen oder, um ihn zu beenden, Israel ein Zugeständnis abzuringen, das der Iran als Triumph feiern könnte“. Noch sind wir nicht so weit. Der Angriffskrieg gegen die Islamische Republik ist noch lange nicht zu Ende.
Dessen ungeachtet kann man schon heute eine vorläufige Bilanz ziehen: Mit dem Irankrieg wird die „American global military hegemony“ entzaubert und diese Entzauberung wird für die US-Geostrategie verheerende Folgen haben.
Der Nahe Osten geht für die USA mittel- bis langfristig verloren. Die Golfmonarchien werden sich mittel- bis langfristig von Amerikas „Schutzmacht“ abwenden, deren Militärbasen sich eher als Bedrohung denn als Schutz entpuppt haben.
Der Iran wird zu einer regionalen Großmacht aufsteigen, wohingegen Israel geschwächt als Verlierer aus dieser Militärkampagne herausgehen und als eine regionale „unbesiegbare Macht“ entthront wird.
Und was die Großmächte angeht, so wird das Image der USA als Hegemonialmacht Kratze abbekommen und weitreichende strategische Folgen für die US-Stellung als globale Ordnungsmacht haben. Die geopolitischen Profiteure des Irankrieges werden voraussichtlich Russland und China sein.
Wir stehen vor einer Neuordnung des globalen Raumes und keiner weiß momentan, was noch auf uns zukommt.
Anmerkungen
1. Barber, B. R., Imperium der Angst. Die USA und die Neuordnung der Welt. 2003, 13.
2. Zitiert nach Barber (wie Anm. 1), 9.
3. Der nachfolgenden Darstellung liegen im Wesentlichen mehrere Interviews zugrunde, die der russische
Historiker und Militärexperte, Jurij Knutow den russischen Medien in den vergangenen Tagen gegeben hat.
4. Näheres dazu Silnizki, M., Krieg ohne Regeln. Der Nahe Osten steht im Flammen. 4. März 2026,
www.ontopraxiologie.de.