Was wäre aber, wenn es zum Krieg käme?
Übersicht
1. Christian Freuding und sein Interview
2. Ist die Nato „die stärkste Militärallianz der Geschichte“?
3. Auf verlorenem Posten
Anmerkungen
„Warum sieht sich die Trump-Administration genötigt, die Europäer öffentlich wie einen widerspenstigen
Knecht zu demütigen? Weil die Europäer nicht zuhören wollen. Der Präsident und seine Entourage haben
den Europäern wiederholt und unmissverständlich klargemacht, dass der Krieg in der Ukraine beendet
werden muss und Europa einen Weg finden soll, friedlich mit Russland zu leben. Doch die Europäer
sind in ihr gewohntes, zickiges Verhalten zurückgefallen und haben alle ihnen zur Verfügung
stehenden Mittel genutzt, um jegliche Verhandlungen – geschweige denn eine künftige
Sicherheitsarchitektur – zu sabotieren.“
(Philip Pilkington, The American Conservative, 23. Januar 2026)1
1. Christian Freuding und sein Interview
Der Heeres-Inspekteur, Generalleutnant Christian Freuding (geb. 1971), hat am 22. Januar 2026 dem Handelsblatt ein Interview gegeben und auf die Frage eines Interviewers, für wie wahrscheinlich er „einen russischen Angriff auf Nato-Gebiet“ halte, wie folgt, geantwortet: „Russland bereitet sich so vor, dass es spätestens bis 2029 in der Lage sein könnte, militärisch gegen Nato-Gebiet vorzugehen. Diese Einschätzung teilen die Verbündeten – darauf richten wir unsere Vorbereitungen aus.“2
Seit Monaten warnt die politische und militärische Führung der Bundesrepublik davor, dass Russland uns demnächst angreifen werde. Die Warner können sich nur nicht darauf einigen, wann genau das passieren soll: 2029, 2030, 2031 oder vielleicht 2032? Ansonsten sind sie sich ganz sicher: Russland werde uns früher oder später angreifen.
Woher diese Kriegspropheten das so genau wissen, bleibt ihr Geheimnis. Die einen verweisen wie Freuding auf die anonymen „Verbündeten“, die anderen auf die sog. „gut informierten Kreise“ und die dritten auf den Militärischen Abschirmdienst (MAD). Sie wissen mit anderen Worten von nichts. Umso mehr verbreiten sie Angst und schüren Kriegshysterie in Deutschland.
Für diese Kriegshysterie, die nicht einmal originell ist, hat Russland freilich keinen Anlass gegeben. Den Älteren unter uns ist die westdeutsche Russenfurcht des „Kalten Krieges“ mit der Warnung: „Die Russen kommen! The Russians Are Coming!“ noch gut in Erinnerung. „Nur eine geängstigte Bevölkerung lässt sich leicht manipulieren, gängeln und regieren. Nur einer solchen Bevölkerung lassen sich soziale Verbesserungen und überfällige Reformen vorenthalten“, schrieb Helmut Wolfgang Kahn (1922-2005) 1969 in seinem Werk mit dem trotzigen Titel „Die Russen kommen nicht“3.
Aber warum sollten „die Russen“ uns erst 2029 ff. angreifen? Warum nicht gleich heute im Jahr 2026? Denn Russland ist nach vier Jahren Krieg kriegserfahren genug, um gleich angreifen zu können. Im Gegensatz zur deutschen Bundeswehr, die noch lange nicht „kriegstüchtig“ ist, um dieses Unwort des Jahres 2023 in den Mund zu nehmen, ist Russland jederzeit kampfbereit. Das hat kein geringerer als Putin selbst mit Nachdruck unterstrichen.
Russland habe nicht die Absicht, in einen Krieg mit europäischen Ländern einzutreten, sei aber „jetzt sofort“ darauf vorbereitet. Diese Aussage machte Putin am 2. Dezember 2025, auf einem Investorenforum der VTB Bank kurz vor einem Treffen mit Steve Wittkoff in Moskau.
„Wir werden keinen Krieg gegen Europa führen; das habe ich schon hundertmal gesagt. Aber wenn Europa sich plötzlich zum Kampf entschließt und anfängt, sind wir sofort bereit“, kommentierte Putin die Möglichkeit einer direkten Konfrontation und fügte gleich hinzu: Der Ausgang eines solchen potenziellen militärischen Konflikts wäre „enttäuschend für Europa“ (неутешительными для Европы), und Russland hätte „niemanden, mit dem es verhandeln konnte“ (не с кем договариваться).
Ob Christian Freuding diese Äußerung Putins kannte, als er in dem erwähnten Interview hochtrabend und selbstsicher ankündigte: „2029 ist eine Planungsgrundlage, auf die sich alle 32 Nato-Partner verständigt haben. Aber wir müssen jederzeit auf eine Verletzung des Bündnisgebiets militärisch reagieren können. Wir nennen das >Fight Tonight< – sofort bereit zu sein, auch ohne Vorwarnzeit. Und das sind wir mit dem, was wir haben, so, wie wir sind.“
Ob der Salonstratege, der den Krieg nie hautnah miterlebt hat, weiß, wovon er da redet. Reagans Außenminister, Alexander Haig (1981-1982), hat einmal gesagt, „dass er für Leonid Breschnevs Gesundheit bete, weil das nächste Gespann sowjetischer Führer aus Männern bestehen werde, >die den Krieg nie kennengelernt haben und für die Stalingrad ein Filmtitel ist<. Deshalb glaubt(e) der Minister, dass sie die Vereinigten Staaten unbekümmerter herausfordern werden.“4
Diese Unbekümmertheit kann auch Freuding bescheinigt werden. Falls er wirklich glaubt, einen Krieg gegen eine nukleare Supermacht Russland so führen zu können, wie Russland seinen Krieg gegen die Ukraine führt, dann wird er sehr enttäuscht sein. Denn er wird mit allen seinen „32 Nato-Partnern“ keine Zeit haben, in einen Krieg einzutreten, der bereits nach wenigen Stunden zu Ende sein wird.
Dieser „General YouTube“, wie sein Spitzname lautet, sollte eigentlich General Stultus heißen. Er hat wohl nicht begriffen, was Putin gesagt hat: Es werde nach einem solchen Krieg „niemanden“ geben, „mit dem Russland verhandeln könnte“. Freuding ist indes schon früher mit seinen kriegerischen Äußerungen unangenehm aufgefallen.
Im Juni 2025 erklärte er gegenüber Reuters, Europa werde den Widerstand in der Ukraine selbst dann unterstützen, wenn die USA ihre Finanzierung einstellten. Es verfüge über die nötigen Ressourcen. „Wenn der politische Wille vorhanden ist, werden die Mittel gefunden, um die fehlende US-Unterstützung zu kompensieren“, sagte Freuding in einem Interview. 2023 kündigte er auf dem Forum „Yalta European Strategy“ (YES) an: Deutschland sei bereit, die Ukraine bis 2032 zu unterstützen. „Wir sind bereit eine langfristige Unterstützung zu leisten … und beabsichtigen die Zeit zu unserem Verbündeten und nicht zum Verbündeten Putins zu machen.“
Und heute? Freuding und seine Kriegskameraden sind schon längst mit ihrer Kriegspolitik am Ende und auf der ganzen Linie gescheitert5, wollen das nur nicht wahrhaben. Dem Salonstrategen ist es nämlich nicht gelungen, „die Zeit zu unserem Verbündeten“ zu machen. Das Kriegsspiel ist zu Ende und Putin hat „die Zeit“ eben auf seiner Seite.
Das sollte all jenen Kriegsstrategen eine Lehre sein, die das Kriegsgeschehen aus der Ferne beobachten und andere für die eigenen Kriegsphantasien verheizen. Sie müssen sich ja nicht für die Kriegsopfer der eigenen Bevölkerung rechtfertigen. Die „Drecksarbeit“ (Friedrich Merz) machen ja die anderen.
2. Ist die Nato „die stärkste Militärallianz der Geschichte“?
Wenn Freuding wirklich glaubt, dass Krieg gegen Russland führbar und gewinnbar sei, dann ist er auf dem Holzweg. Der Krieg zwischen Russland und der Nato wird ein ganz anderer Krieg als der in der Ukraine sein. Aus seinem Interview geht hervor, dass er sich militärstrategisch immer noch am Krieg des 20. Jahrhunderts orientiert. Auf die Frage, ob die Bundeswehr „eher 1000 neue Leopard-Kampfpanzer“ braucht oder ob auch „500 reichen“ würden, reagiert Freuding ausweichend: „Wir leiten unseren Bedarf aus den Nato-Verteidigungsplänen ab. … Konkrete Zahlen beispielsweise von Kampfpanzern will ich aus guten Gründen nicht in der Öffentlichkeit debattieren.“
Nun ja, es gibt nur einen einzigen „guten Grund“ in der Öffentlichkeit nicht debattieren zu wollen: seine Ahnungslosigkeit, es sei denn, er verheimlicht vor unsereinem wider besseres Wissen einen geringen Nutzen der Kampfpanzer im Ukrainekrieg. Bereits vor zwei Jahren berichtete beispielsweise die Deutsche Welle (DW) am 2. Januar 2024:
„Die von Deutschland an Kiew gelieferten Leopard-2-Panzer weisen Gefechtsschäden und Verschleiß auf. Es herrscht ein Mangel an Ersatzteilen, um sie wieder einsatzbereit zu machen. Von den 18 von Deutschland an die Ukraine gelieferten Leopard-2A6-Panzern ist nur noch ein kleiner Teil einsatzbereit. Der Verteidigungsexperte der Grünen, Sebastian Schäfer, forderte daher umgehend Reparaturmaßnahmen. >Leider müssen wir feststellen, dass nur noch ein sehr kleiner Teil der an die Ukraine gelieferten Panzer einsatzbereit ist. Die Reparaturen dauern sehr lange, da es dem Reparaturwerk in Litauen an Ersatzteilen mangelt<, zitierte die dpa Schäfer aus einem Schreiben an die Rüstungskonzerne Rheinmetall und KMW.“
Zudem hat der Kampfpanzer im Krieg des 21. Jahrhunderts im Vergleich zum Krieg des 20. Jahrhunderts dramatisch an Bedeutung verloren. Wie der ehem. Generalstabschef der russischen Streitkräfte, Jurij N. Balujevskij (2004-2008), in einem bereits 2023 erschienenen Sammelband „Алгоритмы огня и стали: оружие современных войн“ (Algorithmen aus Feuer und Stahl: Waffe der modernen Kriege) schreibt, wurden die Panzer „zu einem der Hauptopfern der Kampfhandlungen der letzten zwei Jahre“. Das frühere Symbol der Schlag- und Kampfkraft hat sich als leicht zu erkennendes und leicht zu zerstörendes Ziel erwiesen.6
Und auf eine weitere Frage, ob „wir überhaupt noch Panzerarmeen wie zur Hochzeit des Kalten Krieges (brauchen)“, antwortete Freuding erneut ausweichend: „Die Kriegsgeschichte zeigt, dass Innovationen traditionelle Systeme nie komplett ersetzen, sondern diese ergänzen. … So wird mit den Drohnen auch der bemannte Kampfpanzer nicht verschwinden, aber er wird vermutlich künftig begleitet werden von unbemannten Systemen – luftgestützt und auf dem Boden.“
Zwar stellt er zutreffend fest, dass wir „die Erkenntnisse aus dem Ukrainekrieg auch nicht eins zu eins auf einen möglichen Konflikt zwischen der Nato und Russland übertragen (dürfen)“ und dass beispielsweise „die Luftkriegsführung eine ganz andere Rolle spielen wird“. Denn „die Ukraine hat kaum eigene Luftstreitkräfte, und Russland setzt seine Luftwaffe sehr dosiert ein … Unser Ziel in der Nato wäre zudem ein möglichst beweglich geführtes Gefecht, um einen Stellungskrieg – wie wir ihn in der Ukraine sehen – unter allen Umständen zu vermeiden.“
Die zitierte Passage zeigt aber zugleich, wie wenig Freuding die strategischen Ziele der russischen politischen und militärischen Führung versteht, wenn er von einem „unter allen Umständen“ zu vermeidenden „Stellungskrieg“ redet. Keine Sorge, Herr General! Dazu wird es gar nicht kommen. Noch bevor sich die Bundeswehr mit ihrem „beweglich geführten Gefecht“ in Bewegung setzt, wird der Krieg zu Ende sein.
Wenn Freuding samt der Militärführung der Bundeswehr und der europäischen Nato-Staaten allen Ernstes glaubt, gegen Russland einen siegreichen Krieg führen zu können, dann weiß er nicht, worauf er sich da einlässt. Aber genau daran glaubt er und lässt auch keinen Zweifel daran aufkommen, sagt er doch, darauf angesprochen, was die in Litauen stationierte deutsche Panzerbrigade tun würde, falls „Russland im Baltikum unsere Verteidigungsbereitschaft testen würde“: „Wir wären nicht allein, Russland würde ja nicht die Panzerbrigade 45 angreifen, sondern die stärkste Militärallianz der Geschichte. Und das Bündnis würde reagieren. Wir können uns auf die Unterstützung unserer Partner verlassen.“
Es ist diese maßlose Selbstüberschätzung der deutschen und der Nato-Militärführung, die unsereinen in Angst und Schrecken versetzt, wenn man bedenkt, mit welcher Leichtigkeit des Seins solche Salonstrategen vom Krieg reden. Abgesehen davon, dass wir uns heutzutage nicht ohne weiteres „auf die Unterstützung unserer Partner“ insbesondere der US-Verbündeten verlassen können, ist es noch lange nicht ausgemacht, dass die Nato immer noch „die stärkste Militärallianz der Geschichte“ ist. Eine derart maßlose Selbstüberschätzung kann uns zum Verhängnis werden.
3. Auf verlorenem Posten
Nun stellt sich in der Tat die Frage: Was wäre, wenn …? Was wäre, wenn es tatsächlich zum Krieg zwischen Russland und Europa käme? Wer würde den Sieg davontragen? Eines ist schon jetzt von vornherein auszuschließen, dass nämlich dieser Krieg genauso wie in der Ukraine verlaufen wird. Der Krieg zwischen Russland und der Nato wird ganz anderes aussehen, als wir uns das nur vorstellen können.
Der ehem. israelische Geheimdienstoffizier und Militärexperte, Jakov Kedmi (geb. 1947), hat darauf am 16. Januar 2026 in einem Interview mit Ukraina.ru eine ausreichende Antwort gegeben. Russland stehe seiner Meinung nach gleichzeitig vor den drei militärischen Herausforderungen, die unterschiedlicher nicht sein können. Moskau bereite seine Streitkräfte für strategische Durchbrüche in der Ukraine und unabhängig davon für einen hypothetischen Konflikt mit einem vereinten Europa vor.
Russland verfüge derzeit über „drei Armeen“. Die erste führe einen Stellungskrieg im Donbass, die zweite Armee könne zur Verfolgung strategischer Ziele in der Ukraine eingesetzt werden, etwa zur Kontrolle von Odessa und des Schwarzen Meeres und die dritte sei für einen Krieg mit der Nato vorgesehen.
Derzeit führen die russischen Streitkräfte Kampfhandlungen mit traditionellen Methoden durch. Gleichzeitig betreibt die russische Militärführung eine Reorganisation ihrer Streitkräfte. Da die Idee einer europäischen Nato-Armee zum Krieg gegen Russland immer realistischer wird, bereitet sich auch Russland auf einen solchen Krieg vor. Ziel eines solchen Krieges ist die Vernichtung der Nato-Allianz, die eine ernsthafte Bedrohung für Russland darstellt.
Um dieses Ziel zu erreichen, wird Russland keine Panzerarmeen einsetzen, sondern stattdessen massive Raketenangriffe starten. In diesem Krieg wird Russland den Einsatz taktischer Atomwaffen, über die es in hohen Maß verfügt, kaum vermeiden können.
Diese Art der Kriegsführung erfordert aber eine ganz andere militärische Organisation. Russland baut zudem auch seinen militärisch-industriellen Komplex massiv aus, basierend auf Unternehmen, die klassische Militärausrüstung herstellen. Dazu gehören nicht nur Flugzeuge und Hubschrauber, sondern auch Panzer und Artillerie. Auch Drohnen sind ein direkter Bestandteil davon.
Im Falle eines Krieges mit Europa sollte sich der Hauptangriff zuallererst gegen Frankreich als den gefährlichsten europäischen Nato-Verbündeten richten. Frankreich verfügt über eigene taktische Atomwaffen: Raketen, U-Boote und Flugzeuge. Russland wird daher Atomwaffenlager und Produktionsstätten, die Luftwaffe und die Marine ins Visier nehmen. Es wird mit Flugzeugen, Raketen des Typs Oreschnik sowie U-Booten und Überwasserschiffen angreifen.
„Die Oreschnik-Technologie wird für Militäroperationen in Europa unverzichtbar sein. Sie kann auch als Träger für taktische Atomwaffen eingesetzt werden. Taktische Atomsprengköpfe wurden sowohl in den USA als auch in Russland entwickelt. Ihre Sprengkraft reicht von etwa 300 Tonnen über 500 Tonnen, eine Kilotonne, fünf Kilotonnen, zehn Kilotonnen bis hin zu zwanzig Kilotonnen. In den USA wurden sie jedoch nicht im gleichen Umfang wie in Russland entwickelt. Allein die Tatsache, dass 36 Raketen mit Kilotonnen-Sprengköpfen bestückt werden, lässt die katastrophalen Auswirkungen der Oreschnik-Technologie auf das betroffene Gebiet nur erahnen.
Was alle anderen europäischen Nato-Länder betrifft, so werden die russischen Angriffe auf Militärstützpunkte und Ausrüstungsdepots in unmittelbarer Nähe zur russischen Grenze durchgeführt, die Russland Schaden zufügen können. Sie müssen zerstört werden. Alles Weitere hängt von Moskaus Zielen ab. Es kann Europa einfach neutralisieren oder es zur Kapitulation zwingen.
Sollte Russland Europa zur Kapitulation zwingen wollen, wird es zu drastischeren Mitteln greifen, um wichtige Ziele in Europa anzugreifen. Wird beispielsweise die Energieinfrastruktur eines Landes zerstört, hört dieses Land auf zu existieren.
Deutschland von der Stromversorgung abzuschneiden, wäre noch am einfachsten. Der Bundeswehr fehlen zudem laut Kedmi die operativen und strategischen Kapazitäten. Frankreich von der Stromversorgung abzuschneiden, wird hingegen schwieriger sein. Sein Energiesystem basiert auf Kernkraftwerken, deren Zerstörung schwierig ist und einen komplexeren Ansatz erfordert. Auf jedem Fall werden die EU-Länder ihrer Infrastruktur und Streitkräfte beraubt und anschließend zur Kapitulation gezwungen sein.
Und was die Kriegsschäden angeht, die die europäischen Nato-Länder Russland zufügen würden, so sind sie laut Kedmi ziemlich überschaubar. Die Europäer verfügen nicht über ernstzunehmende Waffen, die tief in russisches Territorium vordringen können. Deshalb haben sie versucht, sie näher an die russische Grenze heranzubringen.
Das russische Luft- und Raketenabwehrsystem, kombiniert mit ständigen Angriffen auf feindliche Ziele, kann zudem diese Bedrohung relativ schnell neutralisieren. Französische Atomwaffen (Flugzeug- und U-Boot-gestützte Raketen) können russisches Territorium nicht ohne weiteres erreichen. Die landgestützten Raketen in Frankreich sind stillgelegt. Es gibt dort praktisch keine entsprechenden Truppen. Wenn der Wiederaufbau sechs Monate bis zu einem Jahr dauern soll, ist das ein wichtiger Punkt. Doch im Moment sind ihre bodengestützten Raketen außer Gefecht gesetzt.
Vor diesem Hintergrund kann man nur sagen: Wenn Christian Freuding und seine Kriegskammeraden glauben, „die stärkste Militärallianz der Geschichte“ im Rücken zu haben, dann kann man ihnen nur sehr, sehr viel Glück wünschen, in einem aussichtslosen Krieg gegen Russland bestehen zu können. Sie stehen von vornherein auf verlorenem Posten, sollten sie nur versuchen, Russland ohne die USA militärisch standzuhalten. Ohne Trumps Amerika, das mittlerweile nicht gewillt ist, gegen Russland zu kämpfen, kann Europa gegen die russische Militärmaschinerie nichts ausrichten.
Europa sollte sich lieber auf Frieden statt auf Krieg konzentrieren, falls es noch als eine einzigartige Zivilisation überleben will, und nicht auf alle möglichen Salonstrategen wie „General YouTube“ hören, die nur Kriegshysterie schüren, Öl ins Feuer gießen und auf die Fortsetzung des Ukrainekrieges setzen. Sie bringen dem deutschen Volk und den Völkern Europas Unheil.
Man möchte all jenen, die auf Krieg setzen, mit dem bereits eingangs zitierten Philip Pilkington zurufen: „This position is not just immoral; it is also delusional. From a moral perspective, the liberal elite in Brussels and in other European capitals have cultivated a cynicism about Ukrainian lives that borders on ritual blood sacrifice. It is disgusting and will be viewed by civilized people in the future for what it is“ (Diese Position ist nicht nur unmoralisch, sondern auch paranoid. Aus moralischer Perspektive gesehen, hat die liberale Elite in Brüssel und anderen europäischen Hauptstädten einen Zynismus gegenüber Ukrainern an den Tag gelegt, der an rituelle Blutopfer grenzt. Das ist widerlich und wird von zivilisierten Menschen in Zukunft als das erkannt werden, was es ist).
Anmerkungen
1. Philip Pilkington, Greenland Is a Punishment for Europe’s Role in Ukraine. Europeans can expect more of
the same until they get with the peace program, The American Conservative, Jan 23, 2026.
2. Christian Freuding im Handelsblatt-Interview „Wir können uns auch stärker auf Grönland engagieren“,
22. Januar 2026, 12 f.
3. Kahn, H. W., Die Russen kommen nicht. Fehlleistungen unserer Sicherheitspolitik. München Bern Wien
1969, 15.
4. Zitiert nach Flora Lewis, Wenn Europa an Krieg denkt, in: Wilhelm Bittorf (Hg.), Nachrüstung. Der
Atomkrieg rückt näher. Spiegel-Buch 1981, 199-201 (199).
5. Silnizki, M., Europas gescheiterte Kriegspolitik. Zwischen die Fronten geraten. 23. November 2025.
www.ontopraxiologie.de.
6. Zitiert nach Silnizki, M., Die militärische Revolution. Der Ukrainekrieg aus Sicht eines russischen
Militärexperten. 18. Februar 2024, www.ontopraxiologie.de.