Verlag OntoPrax Berlin

Amerika in geheimer Mission

Der US-Proxykrieg gegen Russland

Überblick

1. Die Partnerschaft der Geheimdienste
2. Probleme mit der ukrainischen Gegenoffensive
3. Streitigkeiten zwischen den USA und der Ukraine

Anmerkungen

Frankly, this is a proxy war between the nuclear powers: the United States,
which is helping Ukraine, and Russia, and it needs to come to an end.“
(Marco Rubio, 6. März 2025)

1. Die Partnerschaft der Geheimdienste

Der investigative Journalist, Adam Entous, hat ein Bericht in der New York Times am 30. März 2025 veröffentlicht, der in Russland Furore macht. Unter der Überschrift „Key Takeaways From America’s Secret Military Partnership With Ukraine“ enthüllte Entous, wie sehr die USA im Ukrainekrieg involviert waren.

Fast drei Jahre lang vor Trumps Rückkehr ins Weiße Haus waren die Geheimdienste weitaus stärker in den Ukrainekrieg verwickelt als bislang angenommen. Dass die russische Führung davon nichts wusste, ist kaum zu glauben. Putin weist bereits seit Langem auf eine unmittelbare Beteiligung der USA am Krieg auf ukrainischem Boden hin.

Umso erstaunlicher ist Putins Defensivstrategie in diesem US-amerikanischen Proxykrieg gegen Russland. Woran das liegt, ist ein ganz anderes Thema.1

Entous veröffentlichte eine umfangreiche Untersuchung darüber, wie Kiew und Washington seit beinahe drei Jahren eine geheim gehaltene Partnerschaft in den Bereichen der Geheimdienste, Strategie, Planung und der militärischen Durführung pflegten – eine Partnerschaft, die nur einem kleinen Kreis der US- amerikanischen und EU-europäischen Beamten bekannt war.

Laut der Untersuchung hat der US-Stützpunkt im Wiesbaden stets den ukrainischen Streitkräften die Koordinaten russischer Truppen auf russischem Territorium übermittelt. Die Operation trug den Namen „Task Force Dragon“.

Jeden Tag identifizierten die Amerikaner und Ukrainer die militärischen Ziele und Geheimdienstler werteten sodann die entsprechenden Satellitenbilder, Funkemissionen und abgefangene Kommunikationen, um die russischen Stellungen zu finden, deren Koordinaten dann an die ukrainischen Streitkräfte übermittelt wurden, heißt es in der Veröffentlichung.

Die „roten Linien“ der Biden-Administration seien immer weiter verschoben worden, obwohl Washington von Beginn der russischen Invasion an darauf bestanden habe, sich nicht direkt am Krieg zu beteiligen. Ein Dutzend, später drei Dutzend amerikanischer Militärberater wurden dessen ungeachtet nach Kiew geschickt, denen gestattet wurde, u. a. die ukrainischen Kommandoposten an der Front aufzusuchen.

2022 genehmigte das Hauptquartier der US-Marine die Datenbereitstellung für Angriffe von Marinedrohnen auf russische Kriegsschiffe an die ukrainischen Streitkräfte, liest man in der Veröffentlichung.

Der New York Times zufolge erlaubte die CIA die Unterstützung ukrainischer Operationen auf der Krim. Ferner wird berichtet, dass die amerikanischen und ukrainischen Militäroffiziere in Wiesbaden im Januar 2024 gemeinsam eine Kampagne mit von der Anti-Russland-Koalition gelieferten Langstreckenraketen und ukrainischen Drohnen geplant hätten, um etwa hundert russische Militäreinrichtungen auf der Krim anzugreifen.

2. Probleme mit der ukrainischen Gegenoffensive

Die Sommer-Gegenoffensive der ukrainischen Streitkräfte im Jahr 2023 war in Wiesbaden Gegenstand intensiver Diskussionen und Planungen, wobei zum Scheitern der Gegenoffensive „politische Meinungsverschiedenheiten in der Ukraine beitrugen“, heißt es in der Veröffentlichung.

Die Kampagne sollte der Ukraine nach den Erfolgen des ersten Invasionsjahres 2022 einen neuen Schwung verleihen. Nachdem die Partner in Wiesbaden Militärübungen abgehalten und sich auf eine Strategie geeinigt hatten, „prallte der Plan frontal auf die ukrainische Politik,“ ist zu lesen.

Der Veröffentlichung zufolge unterstützte der Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, General Walerij Salužnyj, den Plan, dessen zentraler Teil ein Angriff auf die südliche Stadt Melitopol war, der die russischen Versorgungslinien abschneiden sollte.

Sein Rivale – Generaloberst Alexander Syrskyj – hatte angeblich einen eigenen Plan: Er wollte die russischen Truppen in Bachmut angreifen, die sie erobert haben. Selenskyj habe sich laut der New York Times auf Syrskyjs Seite gestellt und seine Truppen, statt alles auf eine Karte zu setzen, auf zwei Hauptfronten aufgeteilt.

Im Hauptquartier entschied Salužnyj, dass General Alexander Tarnavskyj 12 Brigaden und den Großteil der Munition für den Hauptangriff auf Melitopol erhalten sollte. General Jurij Sodol sollte eine Offensive auf Mariupol vortäuschen, um das russische Militär zu verwirren, wohingegen Syrskyj einen unterstützenden Angriff um Bachmut herum anführen sollte.

„Dann ergriff Syrskyj das Wort und erklärte, er wolle vom Plan abweichen und eine Großoffensive starten, um die Russen aus Bachmut zu vertreiben“ und bis nach Lugansk vorzudringen, heißt es in der Veröffentlichung.

Die Amerikaner wurden laut Entous darüber nicht informiert. Erst später stellte der US-Geheimdienst fest, dass sich die ukrainischen Truppen und Munition „in Richtungen bewegten, die nicht dem vereinbarten Plan entsprachen“.

Die Ukrainer konnten Bachmut nie zurückerobern und die Gegenoffensive endete einige Monate später mit einem Desaster.

3. Streitigkeiten zwischen den USA und der Ukraine

Am 14. April 2022 versetzten die ukrainischen Streitkräfte der russischen Schwarzmeerflotte einen vernichtenden Schlag und versenkten den Raketenkreuzer Moskwa, was in den USA eine negative Reaktion hervorrief. Der Veröffentlichung zufolge waren die Amerikaner wütend, weil die Ukrainer sie nicht vor dem Angriff auf den Kreuzer gewarnt hatten. Zudem waren sie überrascht, dass die Ukraine über Raketen verfügte, die das Schiff erreichen konnten.

Sie gerieten in Panik, weil „die Biden-Administration nicht die Absicht hatte, den Ukrainern zu erlauben, ein solch mächtiges Symbol russischer Macht anzugreifen.“

Des Weiteren werteten die Amerikaner angeblich die ukrainische Invasion in der Region Kursk im August 2024 als einen weiteren Schritt zur Vertrauensverletzung.

Die zitierte Passage widerspricht freilich der zuvor ausführlich skizzierten engen Zusammenarbeit zwischen den US-amerikanischen und ukrainischen Geheimdiensten und zeigt, dass der ganze Bericht mit Vorsicht zu genießen ist.

Wie auch immer, die Veröffentlichung stellt fest, dass die ukrainische Armee im Sommer 2024 im Norden wie im Donbas militärisch überfordert war. Syrskyj, der Salužnyj als Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte ablöste, beharrte jedoch darauf, dass er unbedingt und ohne Rücksicht auf Verluste „einen Sieg brauche“. Nicht von ungefähr wird er in der Ukraine als „Metzger“ (мясник) bezeichnet.

Bereits im März 2024 entdeckten die Amerikaner, dass der ukrainische Militärgeheimdienst heimlich eine Bodenoperation im Südwesten Russlands plante. Der Leiter der CIA-Residenz in Kiew stellte daraufhin den ukrainischen Geheimdienstchef, Kirill Budanow, vor vollendeten Tatsachen: Wenn die Ukrainer die Grenze zu Russland überqueren, dann ohne amerikanische Waffen und Geheimdienstinformationen, heißt es in der Veröffentlichung. (Kaum zu glauben! Es riecht auch hier nach einer Exkulpation der Amerikaner!).

Es sei nicht nur so, dass die Ukrainer die Amerikaner im Dunkeln ließen, heißt es in der Veröffentlichung, sondern die ukrainischen Truppen haben „heimlich eine gemeinsam vereinbarte Linie überschritten und von der Koalition bereitgestellte Ausrüstung auf russisches Territorium gebracht.“

Zuvor hatten die Ukraine und die USA eine Zone in Russland definiert, in der die Ukrainer amerikanische Waffen abfeuern konnten und das Kommando in Wiesbaden ihre Angriffe mit Geheimdienstinformationen unterstützen konnte.

Dies geschah angeblich nur deswegen, weil eine humanitäre Katastrophe in der Region Charkiw bevorstand. „Es war nicht etwa beinahe eine Erpressung, sondern eine glatte Erpressung“, kommentierte ein Pentagon-Beamter die Situation.

Nach dem Beginn der Militäroperation in der Region Kursk hätten die Amerikaner ihre Unterstützung einstellen können, aber sie wussten, dass dies, wie ein Vertreter der US-Administration erklärte, zu großen Verlusten unter den ukrainischen Soldaten führen könnte. Sie hätten sterben können, wenn sie nicht durch HIMARS-Raketen und Aufklärung geschützt wären.

Nach dem gescheiterten Kursk-Abenteuer klingt dieser Teil der Veröffentlichung, gelinde gesagt, unglaubwürdig und man fragt sich, ob der Grund für den ganzen Bericht nicht der war, die Amerikaner aus der Schusslinie zu nehmen und die ganze Verantwortung für das gescheiterte Kursk-Abenteuer der Ukraine in die Schuhe zu schieben.

Wie auch immer man die Veröffentlichung bewerten mag, eins wird deutlich, dass die USA und ihre Nato-Verbündeten nicht nur einen mittelbaren, sondern auch einen unmittelbaren bzw. direkten Krieg gegen Russland führen, der weit über einen Proxykrieg hinausgeht. Nicht von ungefähr warnt Trump immer wieder vor der Gefahr eines Dritten Weltkrieges!

Bei allen westlichen Schimpftiraden an die Adresse Putins als „Neoimperialist“, „Aggressor“, „Kriegsverbrecher“, ja „Hitlers Wiedergänger“ muss der „Westen“ froh sein, einen solchen „Hitler“ zu haben, der stets vorsichtig aus der Defensive agiert und sich nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Ein anderer Herrscher Russlands hätte einen ganz anderen, härteren Gang eingelegt mit unabsehbaren Folgen für den europäischen und den Weltfrieden. Hoffen wir, dass es so auch bleibt!

Anmerkungen

1. Näheres dazu Silnizki, M., Moskaus neue Defensivstrategie. Zur Frage nach der „Salamitaktik“ im
Ukrainekrieg. 12 Januar 2025, www.ontopraxiologie.de.

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