Peter Sloterdijk und sein Weltbild
Übersicht
1. Vielsagend, aber nichts aussagend
2. Wirres Zeug
Anmerkungen
„Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?“
(Heidegger, Was ist Metaphysik?)
1. Vielsagend, aber nichts aussagend
Es ist lange her, dass ein „philosophisches“, genauer: belletristisches Werk mein Interesse erweckt hat. Ganz zufällig habe ich eine Rezension in die Hände bekommen, deren Lektüre mich neugierig machte, das besprochene Buch anzuschaffen. Es ist ein gerade erschienenes Werk des bekannten Populärphilosophen der Republik, Peter Sloterdijk, mit dem Titel Der Fürst und seine Erben. „Über große Männer im Zeitalter der gewöhnlichen Leute“ lautet der Untertitel.
Das Buch setzt sich mit Machiavellis „Von den Fürstentümern“ (de principatibus) auseinander und stellt die These auf, „dass die zeitgenössische Welt seit der Mitte des 20. Jahrhunderts einen langgedehnten >machiavellistischen Moment< erlebt“ (S.12). Darunter versteht Sloterdijk das Auftreten „politischer Charaktere“ auf der Bühne der Geschichte, die sich vielerorts „binnen weniger Jahre von Hoffnungsträgern lokaler Bewegungen zu strongmen in Halbdemokratien und offenen Despotien wandelten“ (S. 14).
Einer dieser „strongmen“ wird gleich auf dem Buchcover (Vorderseite) abgebildet. Man sieht einen älteren Herrn in einem mittelalterlichen Gewand mit einem Gesicht, das Donald Trump ähnelt. Auf der Rückseite des Buchcovers wird ein Text abgedrückt, den man als Resümee am Ende des Buches auf der Seite 188 wieder findet, mit folgendem Wortlaut: „Als mad man ohne Plan für den nächsten Tag ist Trump fürs erste weit weniger gefährlich als sein Gegenspieler im Kreml. Putin lebt jeden Tag mehr Auge in Auge mit dem Nichts. Wer dürfte verkennen, dass er mit sich allein ein apokalyptisches Pokerspiel begonnen hat?“
„Fürs erste weit weniger gefährlich“? Das Buch erschien am 24. März 2026, knapp ein Monat nach dem Kriegsausbruch im Iran. Nichtsdestotrotz ist Trump „weit weniger gefährlich als sein Gegenspieler im Kreml“! Bemerkenswert! Wenn man nun die zitierten Zeilen auf der Rückseite in Verbindung mit der Vorderseite des Buchcovers betrachtet, fragt man sich nonchalant, was der Philosophus uns damit sagen will.
Das Buchcover erweckt jedenfalls den Eindruck, als handle es sich im Buch überwiegend um zwei „große Männer“: den „verrückten“ Trump (mad man) und einen „apokalyptischen Pokerspieler“ Putin, der „Auge in Auge mit dem Nichts“ lebt.
Was will der Philosophus uns damit sagen? Sollen etwa ein „Verrückter“ und ein „weit gefährlicherer“, „apokalyptischer Pokerspieler“ die „Fürsten“ unserer Zeit sein, die „Auge in Auge mit dem Nichts“ leben und wie die vier „apokalyptischen Reiter“ Pest (weißes Pferd), Krieg (rotes Pferd), Hungersnot (schwarzes Pferd) und den Tod (fahles Pferd) mit sich bringen?
Als würde der Philosophus uns mit Heidegger sagen wollen: „Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?“ In Sloterdijks Denkungsart übersetzt, dürfte es wohl heißen: Wenn man schon „Auge in Auge mit dem Nichts“ und nicht mit dem Seienden „lebt“, dann ist man bereit, auch über Leichen zu gehen.
Diese „strongmen“, die auch als „modernisierte Fürsten“ bezeichnet werden und lieber mit dem „Nichts“ als mit dem „Seienden“ ein Rendezvous haben, sind zahlreich unterwegs, versichert uns der Philosophus „überzeugend“. „Die Fürsten“, meint er, „sind vielerorts wieder da, manche schon an der Macht, andere auf dem Sprung, förmlicher Krönungen nicht bedürftig“.
Und er zählt sie alle neben Trump und Putin auch namentlich auf: „Xi Jinping, Narendra Modi, Recep Tayyip Erdogan und zahlreiche andere Akteure auf den Szenen der Tyrannei – neuerdings etwas vornehmer als >Autokratie< betitelt“ (S. 9). Soll heißen: Sie seien alle Feinde der Demokratie!
Denn was all diese „modernisierten Fürsten“ außer ihrer Neigung zur „Tyrannei“ und „Autokratie“ eint, erfahren wir auf der Seite 129. Sie befinden sich „außerhalb der Sphäre einer demokratischen Domestikation“ (horribile dictu), wobei der Philosophus die „Sphäre“ der genannten „Tyrannen“ und „Autokraten“ „als ein Aktionszentrum“ begreift, „in dem Selbstberufung, Selbsterhörung und Selbstfreispruch von allen strafrechtlichen Folgen eigenen Handelns ineinandergreifen.“
Unsereiner hätte gleich an Trump und seine Amtsvorgänger denken können. Nicht so unser Philosophus! „Unter diesem Aspekt gehören Figuren wie Napoleon III., Bismarck, Lenin, Mussolini, Hitler, Stalin, Mao zu dem weit verzweigten Clan der Selbstfreisprecher; zu ihrem Vetternkreis zählen auch zweitklassige Politschurken wie Nasser, Castro, Pol Pot, Ceausescu, Miloševič e tutti quanti“, sagt er klipp und klar.
Bei diesem „weit verzweigten Clan der Selbstfreisprecher“ hat der Philosophus freilich nur vergessen, „zweitklassige Politschurken“ aus dem Westen, wie Clinton, Bush jr., Tony Blair und Co. hinzuzuzählen. „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.“
Offenbar ist ihm die „glorreiche“ Zeitgeschichte der unipolaren Weltordnung in den vergangenen dreißig Jahren entgangen, die „in ganz erheblichem Maße durch die Gewaltanwendung der demokratischen Staaten“ (Lothar Brock)1 auf Grundlage der Selbstermächtigung der Nato-Interventionstruppen bestimmt wurden.
Was Sloterdijk hier die „Sphäre einer demokratischen Domestikation“ bezeichnet, war in Zeiten der Unipolarität jene nicht hinterfragbare Vormachtstellung des US-Hegemonen und seiner Satelliten, die sie dazu verleitete, sich selbst zu ermächtigen, überall und zu jeder Zeit nach Belieben und notfalls militärisch eingreifen zu dürfen.
Der Vorsitzende des Beratungsausschusses beim US-Verteidigungsministerium, Richard Perle, hat den Selbstermächtigungsanspruch eindrucksvoll zur Sprache gebracht, als er 2002 seine „tiefe Besorgnis“ darüber geäußert hat, dass den Vereinten Nationen das Recht zugesprochen werde, über Krieg und Frieden zu entscheiden, wo doch diese Berechtigung mit größerer Legitimation der Nato als der Gemeinschaft demokratischer Staaten zustünde (International Harald Tribune, 28.11.2002, S. 4).2
Gehören diejenigen aber, die sich selbst ermächtigen und legitimieren, nicht zu jenem „Clan der Selbstfreisprecher“, wie Sloterdijk es in seiner geschraubten Sprache ausdrückt, der sich „von allen strafrechtlichen Folgen eigenen Handelns“ freisprechen kann?
Wenn man Sloterdijks Buch liest, hat man das Gefühl einen Wiedergänger von Diogenes von Sinope (404 –323 v. Chr.) vor sich zu haben. Der schnippische antike griechische Philosoph nutzte abfällige Sprache und provokante Sprüche, um die großen Männer seiner Zeit zu düpieren. Als Alexander der Große ihn einst fragte, was er für ihn tun könne, antwortete Diogenes: „Geh mir aus der Sonne!“
Der Leser muss viel Geduld aufbringen, um den langatmigen und uninspirierten Ausführungen zu folgen und sich im Dschungel seiner Gedankenwelt zurechtzufinden. Was sich als Gelehrsamkeit eines Philosophus herausstellen sollte, erweist sich vielmehr als ein Sammelsurium von zusammenhangslosen Gedankengängen und gewürfelten Texten, die vorgeben, vielsagend zu sein, die aber nichts aussagen.
Von einem Thema zum anderen wechselt unser schnippischer Philosophus seinen Gedankengang und man fragt sich stets: Was hat das mit Machiavelli zu tun und was will er denn dem Leser mit seinem oft zur Schau gestellten Spott und vulgären Sarkasmus eigentlich sagen?
Man kann einem Urteil des FAZ-Journalisten, Ralph Bollmann, nur zustimmen, wenn er von „Sloterdijks schiefer Machiavelli-Lektüre“ (FAZ, 14.03.26) spricht und sagt: „Peter Sloterdijk fantasiert an Machiavelli vorbei. In seinem neuen Buch geht es um Carl Schmitt und Hitler, Dämonie und Nietzsche. Also um alles, was sich mit Machiavelli am allerwenigsten in Verbindung bringen lässt.“
Schlimmer noch: Sloterdijk skandalisiert, statt aufzuklären; denunziert, statt zu analysieren; spottet, statt sachlich zu bleiben, dichtet, statt zu begreifen. Man hat bei der Lektüre das Gefühl, als würde der Verfasser gleich den Notstand ausrufen, so sehr er sich von „politischen Charakteren“ bedroht fühlt, „die sich binnenweniger Jahren von Hoffnungsträgern lokaler Bewegungen zu strongmen in Halbdemokratien und offenen Despotien wandelten“ (S. 14).
Deswegen dichtet er, statt die komplexen weltpolitischen Prozesse begreifen zu können, nach dem Motto: „Weil Not Dichten lehrt, ist die gesamte Begriffswelt Dichtung aus Not“3.
Was Sloterdijk in seinem Buch zusammengeschustert hat, ist keine Philosophie, sondern Phantasie, die die Außenwelt karikiert, statt sie zu verstehen und die komplexen geo- und sicherheitspolitischen Prozesse zu begreifen versuchen. Auf einen Nenner gebracht, kann man das Werk kurz und knapp charakterisieren: Vielsagend, aber nichts aussagend!
2. Wirres Zeug
Was wir in den ersten fünfundvierzig Jahren seit dem Ende des Zweiten Krieges erlebt haben, ist nicht ein erdichteter „machiavellistischer Moment“, sondern eine bipolare Weltordnung, in der sich zwei ideologisch verfeindete und bis auf die Zähne bewaffnete antagonistische Ordnungssysteme, die ihre jeweiligen Machtstrukturen autonom von- und gegeneinander entwickelt haben.
Diese antagonistischen, feindselig gegenüberstehenden Ordnungssysteme waren zurzeit des „Kalten Krieges“ weitgehend immun gegen die Wert- und Rechtsvorstellungen der jeweils anderen Seite und standen zueinander unversöhnlich gegenüber. Nach dem Ende des „Kalten Krieges“ versuchten dessen „Siegermächte“ drei Jahrzehnte lang erfolglos dem unterlegenen Gegner die Bedingungen der friedlichen Koexistenz zu diktieren und ihre Wert- und Rechtsvorstellungen zu oktroyieren.
Das ist, wie man weiß, total schiefgegangen. Und es kam, wie es in solchen Fällen kommen musste, zu einer militärischen Klärung des zerstörten Machtgleichgewichts4, das auf friedlichem Wege nicht gelöst werden konnte.
Diese geopolitischen und axiologischen Prozesse ausblendend, fabuliert der Philosophus über einen von ihm erdichteten „machiavellistischen Moment“, der die Welt angeblich „seit der Mitte des 20. Jahrhunderts“ erlebt (S. 12) und die „strongmen“ bzw. die „Tyrannen“, „Despoten“ und „Autokraten“ aller Welt hervorgebracht haben soll.
Offenbar verwechselt Sloterdijk Phantasie mit Philosophie, die sich mit dem, was ist, dem „Seienden, sofern es seiend ist“ (Aristoteles) und nicht mit einer erdichteten Wirklichkeit auseinandersetzt. Sein Welt- und insbesondere Russlandbild ist simplifizierend, voller Klischees und Vorurteile, was darauf hindeutet, dass er weder die weltpolitischen Prozesse der vergangenen acht Dekaden versteht noch die russische Verfassungswirklichkeit kennt und sich dadurch von einer einseitigen medialen Berichtserstattung irreführen lässt und diese dann verzerrend und karikierend wiedergibt.
„Indem Machiavelli“ – lesen wir auf der Seite 96 – „von der Macht der fortuna handelt, deren Rad sich ständig dreht, eröffnet er ein Feld von Beobachtungen in Bezug auf die Aufwärts- und Abwährtsbeweglichkeit der als prekäre Vollmacht aufgefassten Herrscherposition. Nicht umsonst spricht man im Umkreis von Putin-nahen Ideologen von der >Staatsvertikale<, die der neue Zar aufrechterhalten müsse …; überdies kostete der neue Zentralismus den Kreml die zynische Allianz mit der strategisch reanimierten russisch-orthodoxen Kirche. Dass an deren Spitze eine zwielichtige Figur wie der 2009 ins Amt gewählte Patriarch Kyrill I. … steht, ein ehemaliger KGB-Mann, passt ins Bild. Unter ihm wandelte sich das östliche Christentum in die moralische Tapete einer neo-imperialen Aggressionsmacht.“
Solche und ähnliche Sätze durchziehen das ganze Werk des schnippischen Philosophus. Von welchen „Putin-nahen Ideologen“ hier die Rede ist, bleibt sein Geheimnis und ist der Phantasie des Lesers zu überlassen. Und es heißt nicht die „Staatsvertikale“, sondern „Machtvertikale“, deren Gebrauch in Russland längst aus der Mode gekommen ist.
Was „den neuen Zaren“, „neuen Zentralismus“ des Kremls, „zynische Allianz“, „das östliche Christentum“ als „die moralische Tapete einer neo-imperialen Aggressionsmacht“ angeht, so sind es irreführende Schlagwörter, die allein Vorurteile und Ressentiments schüren, statt Aufklärung zu betreiben.
Was für ein Kontrast zu den Zeiten, in denen deutsche Philosophen wie Max Scheler (1874-1928)5 oder Theologen wie Ernst Wilhelm Benz (1907-1978)6 ausgezeichnete Kenntnisse der Ostkirche, des „östlichen Christentums“ wie der russischen Verfassungsgeschichte und Gegenwart hatten.
Verglichen mit Trumps postmodernen Imperialismus7 und westlichem Expansionismus tritt Russland mit seiner Außen- und Sicherheitspolitik nicht als eine „neo-imperiale Aggressionsmacht“, sondern als eine verantwortungsvolle Großmacht auf, die ihre vitalen Sicherheitsinteressen gegen die nie enden wollende Nato-Expansionspolitik zu verteidigen weiß und notfalls präventiv handelt8.
Dass Sloterdijk davon keine Ahnung hat, steht außer Frage. Er ist freilich daran auch gar nicht interessiert. Lieber verbleibt er in seiner von Vorurteilen und Klischees geprägten Scheinwirklichkeit, statt sich Mühe zu geben, die Außenwelt, wie sie ist, zu verstehen. Das ist auch nicht sein Anliegen – sein Anliegen ist vielmehr zu denunzieren, diffamieren, karikieren und wirres Zeug zu schreiben – wie das, was der Leser auf der Seite 121 erfährt:
„Ob Russland, Indien, Indonesien, Brasilien, die Türkei, Saudi-Arabien, Iran, Algerien, Katar und andere, um von den Giganten auf dem Feld, den USA und China, nicht zu sprechen: Mehr denn je liegen in den genannten Ländern die Sprachspiele … der Selbstbehauptung und Selbstvergrößerung in der Luft – zumeist begleitet von Impulsen zur Abrechnung und Revanche. Diese Gebilde weisen, was ihre >Fürsten< … angeht, die typischen Merkmale von verwilderter, unbestimmter, durch megalomanische Versuchungen aufgeblähter Vertikalität auf. In ihr verschränken sich Verhärtungen und Vorgefühle von Unhaltbarkeit ineinander auf eine Weise, die an Hermann Brochs Konzept der >präpanischen Zustände< erinnert.“
Analysiert man die zitierte Passage, so wird deutlich, dass es dem Philosophus nicht um eine Ergründung der weltpolitischen Entwicklungen, sondern um Effekthascherei geht. Die „genannten Länder“ nennt er despektierlich „Gebilde“, nicht Staaten (warum nicht gleich „Regime“?), deren „Fürsten“ nichts anderes im Sinne haben, als an „Abrechnung“ und „Revanche“ zu denken.
Liegt hier womöglich eine Verwechslung vor? Verwechselt Sloterdijk nicht die „Fürsten“ aus „den genannten Ländern“ mit den europäischen „Fürsten“ aus den Hauptstädten Berlin, Paris und London, die im Ukrainekrieg an nichts anderes als an „Abrechnung“ und „Revanche“ denken und sich seit mehr als vier Jahren vergeblich abmühen, Russland eine „strategische Niederlage“ zuzufügen? Nein?
Und weisen die „Fürsten“ der „Gebilde“ Deutschland, Frankreich und Little Britain nicht „die typischen Merkmale von verwilderter, unbestimmter, durch megalomanische Versuchungen aufgeblähter“ Inkompetenz auf, wenn sie infolge ihrer „präpanischen Zustände“ geradezu davon besessen sind, Russland als eine vermeintliche „existenzielle Bedrohung“ um jeden Preis – und sei es um den Preis ihres eigenen Niedergangs – niederzuringen?
Wenn man Sloterdijks Ausführungen auf dieser Weise deutet, dann ergibt sein wirres Zeug sogar einen Sinn. Denn seine Zerrbilder spiegeln unreflektiert lediglich die ideologisch verzerrte Geisteshaltung einer von der eigenen axiologischen Bedeutsamkeit und Unfehlbarkeit geblendeten und durch Jahrzehnte lange, „demokratisch“ verklärte Selbstindoktrination geprägten Generation des „Kalten Krieges“ wider.
Und von dieser Erblast kann sie sich immer noch nicht befreien, trägt sie mit sich unreflektiert herum und terrorisiert den Rest der Welt im Glauben, die ganze Menschheit belehren und beglücken zu können und zu müssen, auch wenn diese weder belehrt noch beglückt werden möchte.
In diesem Sinne rät unser Philosophus am Ende seiner verwilderten Ausführungen, um seine eigene Wortwahl zu gebrauchen, dem „desorientierten Westen“ und insbesondere den „mit dem Wahnsinn“ geimpften und „von pazifistischen Entwicklungen“ benebelten Europäern „daran zu arbeiten, eine allgemeine Herdenimmunität zu fördern, jenseits von Nationen, Religionen, Rassen (und) Klasse“.
Und die „übrige Menschheit sollte die Atempause nutzen“, solange der „mad man“ Donald Trump „in Deals“ und „nicht in letzten Gefechten“ denkt und Putin „jeden Tag mehr Auge in Auge mit dem Nichts (lebt)“ (S. 188).
Nach seinen bombastischen Ausführungen klingt ein derartiger Rat ziemlich banal, trivial und inhaltsleer. Aber was konnte man sonst von einem Philosophus erwarten, der in seiner Schrift „mehr Auge in Auge mit dem Nichts“ als mit dem Seienden ein Rendezvous hat? Von nichts kommt nichts! Sloterdijk hat offenbar Heideggers „Metaphysik“ wörtlich genommen: „Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?“
Anmerkungen
1. Brock, L., Universalismus, politische Heterogenität und ungleiche Entwicklung: Internationale Kontexte der Gewaltanwendung von Demokratien gegenüber Nichtdemokratien, in: Geis u. a. (Hrsg.), Schattenseiten des Demokratischen Friedens. Frankfurt/New York 2007, 45-68 (46).
2. Zitiert nach Müller, H., Die Arroganz der Demokratien. Der „Demokratische Frieden“ und sein bleibendes Rätsel, in: Wissenschaft & Frieden 2 (2003).
3. Türcke, C., Der tolle Mensch. Nietzsche und der Wahnsinn der Vernunft. Frankfurt 1989, 52.
4. Silnizki, M., Machtungleichgewicht als Ordnungsprinzip? Zur Sicherheitskonstellation von heute und morgen,
11. Mai 2022, www.ontopraxiologie.de.
5. Scheler, M., Über östliches und westliches Christentum, in: des., Schriften zur Soziologie und
Weltanschauungslehre. München 21963, 99-114.
6. Benz, E., Geist und Leben der Ostkirche. München 31988.
7. Vgl. Silnizki, M., Trumps „Big Stick“-Diplomatie. Auf dem Wege zum postmodernen Imperialismus? 26. März 2026, www.ontopraxiologie.de.
8. Näheres dazu Silnizki, M., Präemption, Prävention und der Ukrainekonflikt. Zwischen Geopolitik und Völkerrecht. 16. Januar 2025, www.ontopraxiologie.de.