Eine Momentaufnahme
Übersicht
!. Iran bereitet sich auf einen langen Krieg
2. Irans Kriegsstrategie
Anmerkungen
1. Iran bereitet sich auf einen langen Krieg vor
Der Iran bereitet sich nach massivem Angriff der USA und Israels auf einen langen Krieg vor. „Der Iran beabsichtigt, seine Offensivaktionen fortzusetzen, bis der Aggressor bestraft ist… Die Raketen- und Verteidigungskapazitäten des Irans wurden nicht wesentlich beeinträchtigt, und der Iran ist auf einen langen Krieg vorbereitet“, erklärt Teheran. Es wird darauf hingewiesen, dass der Verteidigungssektor funktionsfähig bleibt, was die Vorbereitung auf eine langfristige Konfrontation ermöglicht.
Mit seinem sog. „Präventivschlag“ und den US-Luftangriffen haben Israel und die USA die Büchse der Pandora geöffnet und die Vermutung liegt nahe, dass sie sich strategisch verzockt und Irans militärische Schlagkraft unterschätzt haben. Man muss dabei mitbedenken, dass der Iran im Hintergrund von den mächtigen Mitspielern China und Russland massiv unterstützt wird.
Bereits im Vorfeld des am 28. Februar 2026 gestarteten Angriffs wiesen zwei anonymen US-Regierungsquellen laut Medienberichten darauf hin, dass der Einsatz eines erheblichen Teils der US-Streitkräfte gegen den Iran China ermutigen könnte, Taiwan zu erobern. Eine Quelle erklärte: „Wenn es um einen Angriff mit dem Ziel eines Regimewechsels geht, wird der Iran wahrscheinlich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln reagieren. Wir haben zahlreiche Einrichtungen in der Region, und jede einzelne ist ein potenzielles Ziel. Zudem sind sie nicht durch das Raketenabwehrsystem Iron Dome geschützt. Daher ist die Wahrscheinlichkeit amerikanischer Verluste hoch. Und das birgt ein erhebliches politisches Risiko.“
Genau das ist eingetreten. Zwar hat Israel seinen „Präventivschlag“ nach Israels Angaben mit dem „größten Luftangriff der Geschichte“, an dem hunderte von Flugzeugen beteiligt waren, gestartet hat. Irans sofortige Gegenschläge zeigen, dass die Iraner darauf im Gegensatz zum „12-tägigen Luftkrieg“1 vor einem Jahr vorbereitet waren.
Im Glauben, dass der Iran sein Luftabwehrsystem nach seiner vermeintlichen „Niederlage“ im Sommer 2025 noch nicht vollständig ausgebaut hat, starteten Israel und die USA ihre Angriffe. Sie verfolgen ein primäres Ziel – die Beseitigung des Regimes der Islamischen Republik – und ein sekundäres – die Zerstörung ihres Nuklear- und Raketenpotenzials.
Donald Trump und die israelischen Streitkräfte melden die Tötung von Revolutionsführer, Ali Chamene. In der Nacht zum Sonntag bestätigten auch die iranischen Staatsmedien den Tod des Ajatollahs. Ob das stimmt, sei dahingestellt. Selbst wenn das so wäre, sei die Hoffnung, dass dadurch im Iran ein Machvakuum entstehen würde, weithergeholt.
Irans prompte Gegenreaktion spricht dagegen. Israelische und US-amerikanische Stützpunkte in den Emiraten und Bahrain, Saudi-Arabien und Jordanien wurden, wie man hört, erfolgreich angegriffen. Die überwiegende Mehrheit der Raketen wurde entgegen den westlichen Medienberichten alles andere als abgefangen. Videos in den sozialen Medien zeigen Rauch an den Einschlagstellen. Wir erleben momentan viel Propaganda, die das Kriegsbild verunklart.
Der Iran ist alles andere als ohnmächtig, wie die von Israel und den USA gesteuerten westlichen Medien behaupten. Irans Raketenangriffe auf wichtige Ziele in sechs Ländern der Region haben die Spielregeln des Krieges verändert. Während Dubai seine Wolkenkratzer evakuiert, sinnen die Golfmonarchien über den Preis der Freundschaft mit Washington nach.
Diesmal reagierten die Iraner auf die Aggression der USA und Israels mit Angriffen auf ihre Nachbarn im Persischen Golf, wo sich in fast jedem Land amerikanische Militärbasen befinden und nunmehr zu den Zielen iranischer Raketen und Drohnen geworden sind:
-
- – Luftwaffenstützpunkt Al Udeid in Katar,
-
- – Luftwaffenstützpunkt Al Salem in Kuwait,
-
- – Stützpunkt der US-Fünften Flotte in Bahrain,
-
- – Luftwaffenstützpunkt Al Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten,
-
- – Stützpunkte: Prinz Salman in Riad, Tabuk, Khamis Mushith, im westlichen Bezirk von Jeddah in Saudi-Arabien,
-
- – Luftwaffenstützpunkt Muffak Salti in Jordanien,
– Es wurden auch Angriffe auf US-Stützpunkte im Irak durchgeführt – Al-Harir und Ain al-Asad.
Ein Sprecher des iranischen Generalstabs erklärte, sein Land werde Israel und den USA eine Lektion erteilen, „wie sie diese in ihrer Geschichte noch nie erlebt haben“. Bahrain meldete unter Berufung auf lokale Quellen, es habe Opfer unter den US-Amerikanern auf dem Stützpunkt der 5. Flotte gegeben. Katar rief den nationalen Notstand aus. In Dubai wurden Menschen aus dem Burj Khalifa, dem höchsten Gebäude der Welt, evakuiert.
2. Irans Kriegsstrategie
Teheran geht davon aus, dass Angriffe auf die Infrastruktur und die Sperrung des Luftraumes Investoren und Touristen abschrecken werden – eine wichtige Einnahmequelle für viele Golfstaaten. Die Bedrohung der Zivilbevölkerung durch die Nähe von Militärbasen zu Städten (wie im Fall der Basis in Manama, Bahrain) sollte die Monarchien dieser Länder dazu bewegen, von den USA ein Ende des Krieges oder einen Abzug aus der Region zu fordern.
Wenn der Krieg sich hinzieht und die Ölpreise in die Höhe schnellen (was bereits der Fall ist), könnten die Golfmonarchien die US-Stützpunkte einfach schließen und die US-Amerikaner ausweisen, um ihre Länder vor dem drohenden Untergang zu bewahren, hoffen die Iraner. Irans Strategie scheint somit darauf abzuzielen, die Kosten der US-Präsenz für die arabischen Länder unannehmbar zu machen – in der Erwartung, dass diese zur Beendigung der US-Aggression beitragen.
In Israel trafen iranische Angriffe Aschkelon, Jerusalem, Tel Aviv und Haifa. Einige Quellen berichteten, der Iran habe den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln angegriffen, diese Information ist jedoch nicht bestätigt.
Objektiven Überwachungsaufnahmen und Berichten zufolge trafen die meisten Angriffe der USA und Israels die Anlagen der Raketen- und Drohnenproduktion. Das Nuklearzentrum Natanz, der Luftwaffenstützpunkt Khatami und der große militärisch-industrielle Komplex Parchin wurden Berichten zufolge getroffen, ebenso wie Regierungsgebäude in Teheran.
Berichte über Todesfälle in der Führung der Revolutionsgarden sind weiterhin unbestätigt. Die Iraner dementieren diese Berichte; sie hätten sich lange auf diese Aggression vorbereitet und würden die Fehler des letzten Krieges wohl nicht wiederholen.
Die iranische Nationale Cybersicherheitsbehörde hat berichtet, dass das Land anfällig für Cyberangriffe ist, die darauf abzielen, das normale Leben und die Widerstandsbereitschaft der Iraner zu beeinträchtigen.
In seiner Rede rief Donald Trump die iranische Bevölkerung zum Sturz des Regimes auf. Trump bezeichnete dies als „vielleicht die einzige Chance seit Generationen“ und forderte die iranischen Sicherheitskräfte und die Revolutionsgarden auf, unverzüglich die Waffen niederzulegen.
Er versprach ihnen „vollständige Straffreiheit“ im Falle einer Kapitulation und drohte ihnen andernfalls mit dem „sicheren Tod“. Dass die Iraner sich ergeben würden, wird Trumps frommer Wunsch bleiben. Eines kann man schon jetzt nach dem ersten Kriegstag sagen: Dieses militärische Abenteuer des „Friedensstifters“, Donald John Trump, wird für ihn kein Spaziergang sein.
Anmerkungen
!. Silnizki, M., 12-tägiger Luftkrieg. Zwischen Fehleinschätzung und Inszenierung. 29. Juni 2025.
www.ontopraxiologie.de.